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Busty "Airwastl" Wolter - Interview mit dem FMX-Pro
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Einer der besten und bekanntesten Motocrosser, nicht nur in Deutschland, ist der Berliner Sebastian Wolter. Seit 1987 fährt "Airwastl" MotoX, zwei Jahre später bestritt er sein erstes Rennen. Der Erfolg beim Motocross ließ nicht lange auf sich warten und beim ersten FMX-Contest in Deutschland überhaupt, im Jahre 1999, stand Busty auch direkt auf dem Siegerpodest ganz oben. Wir wollten mehr über das Leben und die Gedanken des beliebten FMX-Pros erfahren und weshalb er sich mittlerweile auch auf das Mountainbike schwingt.
(Copyright Fotos: Christoph Leib)

Hi Busty, beginnen wir direkt mit einer Frage, die Du bestimmt noch nie gestellt bekommen hast. Sei trotzdem bitte tapfer und beantworte die Frage, wen sich die Leute unter Busty Airwastl Wolter vorzustellen haben?

Busty: Hm, schwierige Frage, aber ich werde es mal versuchen: Busty ist eigentlich ein kleines Kind in der Hülle eines 29-jährigen Berliners, das nur spielen will und mit seinem Moped durch die Gegend springen möchte.

Wie bist Du zu Deinem Spitznamen "Airwastl" gekommen? Jetzt sag nicht, den hattest Du schon, bevor Du wie ein Irrer durch die Luft geflogen bist ;-)

Busty: Jep, da muss ich euch enttäuschen. Den hatte ich tatsächlich schon vor meiner FMX Karriere. Ein Lehrer in der Schule hatte für jeden seinen speziellen Spitznamen, meiner war Wastl. Als ich mal auf meine Federtasche mit einem edding AIRWALK schmieren wollte, hat mich ein Kumpel, nachdem ich das AIRWA schon geschrieben hatte, gefragt was das werden soll, AIRWASTL?!? Das war auch zu AIR JORDAN Zeiten damals. Ich dachte mir "Airwastl... klingt cool" und seitdem hat es dann auf meinem Racing-Brustpanzer geklebt.

Was bedeutet Motocross und insbesondere FMX für Dich? Drückt FMX eine bzw. Deine Lebenseinstellung aus?

Busty: Motocross ist mein Leben! Und das ist jetzt nicht nur so eine Floskel, das ist tatsächlich der Sinn in meinem Leben. Keine andere Beschäftigung füllt mich mehr aus als auf meinen Suzukis rumzufahren. Auch wenn ich gestresst oder down bin, sobald ich auf dem Bike sitze fühle ich mich wieder wohl und ich habe alle Probleme vergessen.

Dein Auftritt bei "Wetten, dass ..." war ziemlich spektakulär. Ist das Dein persönlicher Beitrag, den Bekanntheitsgrad und die Akzeptanz von FMX zu erhöhen und wie kam es überhaupt zu dieser Wette?

Busty: Die Idee für die Wette kam von Suzuki und deren Agentur Spielbetrieb. Die haben mich gefragt ob ich denke, dass das klappen könnte. Ich sagte "klar, muss ich mal probieren" und ab ging das. Ich denke, es war eine gute Sache, um mal knapp 15 Millionen Menschen zu zeigen, dass es sowas wie Motocross gibt. Ich denke es war keine Anti-Werbung und ich habe viel gutes Feedback bekommen. Wäre schön, wenn es gut für den Sport war.

Du wohnst in Berlin. Hast Du schon mal ernsthaft über einen Wohnsitzwechsel nachgedacht? Viele Sportler zieht es ja raus in die große weite Welt, vor allem in die USA. Ist das für Dich überhaupt eine Überlegung wert und wenn ja, wohin würde es Dich verschlagen?

Busty: Vor einigen Jahren war es auch mein Traum, nach Kalifornien überzusiedeln und dort FMX-Profi zu sein. Inzwischen war ich auch ein paar Mal dort und habe festgestellt, dass dort auch nicht alles toll ist. Da gibt es ganz andere Probleme, die man natürlich nicht auf den Videos und in den Magazinen sieht. Dazu kommt, dass ich irgendwann realisiert habe, was ich mir hier schon für einen Namen und was für ein Netzwerk aufgebaut habe und dass es mir eigentlich sehr gut geht. In den Staaten müsste ich eigentlich bei Null wieder anfangen. In Europa haben wir inzwischen eine top FMX Szene und man sieht an den Erfolgen von Mat Rebeaud, Ailo Gaup und Andre Villa, dass man sich auch hier zu einem absoluten Top FMXer entwickeln kann, mit Basis in Europa. Ich fühle mich in Berlin am wohlsten und werde hier wohl immer meine Basis haben. Aber ich gehe gerne immer wieder in die Staaten um dort zu fahren. Jetzt, wo ich den langen Flip drauf habe, will ich auf jeden Fall nächstes Jahr zur Dew Actionsports Tour gehen und dort mitfahren. Aber ich bin auch Realist: die X-Games werde ich sicher nicht mehr gewinnen, dazu bin ich zu sehr ein Schisser...hehe.

Was war bis jetzt der wichtigste Erfolg für Dich? Das muss sich jetzt nicht unbedingt nur auf MotoX beziehen.

Busty: Der größte Erfolg ist es in meinen Augen, dass ich es bisher geschafft habe, ein glücklicher, fröhlicher, ehrlicher und zufriedener Mensch zu sein. Dazu gehört sowohl Motocross in meinem Leben, aber auch meine Lady Maya, mit der ich seit 11 Jahren eine glückliche Beziehung habe und andere Dinge, wie meine Hobbies und meine Familie. Alles zusammen lässt mich 100% glücklich sein. Darauf bin ich stolz und das würde ich als größten Erfolg ansehen.

Zwischen MX und MTB lassen sich wunderbare Parallelen ziehen. Zum einen wären das die Vergleiche zu den internationalen Fahrern. Deutschland bietet wirklich sehr gute Fahrer, aber woran liegt es, dass im internationalen Vergleich die Deutschen dennoch relativ schlecht abschneiden?

Busty: Ich glaube, das ist gar nicht unbedingt so. Ich würde mal sagen, dass es nur sehr wenigen Leuten vergönnt ist, das komplette Paket zu haben, das nötig ist, um sowas wie die X-Games zu gewinnen. Dazu gehört natürlich Talent und Arbeitswille, aber auch ein ungeheurer Siegeswille und eine absolute Risikobereitschaft sowie knallharte Nerven. Ich weiß von mir selber, das sich sicher nicht den absoluten Siegeswillen habe. Ich will erfolgreich sein und Spass haben und die Leute unterhalten. Ob ich am Ende gewinne oder nicht, ist mir nicht so wichtig. Das brauche ich nicht, um glücklich zu sein. Ich denke aber, dass ich im internationalen Vergleich gar nicht so schlecht dastehe. Es gibt nun mal nicht 50 Travis Pastranas. Bei den MTB-Kollegen sieht das gleich aus. Meine Kumpels Timo Pritzel und Carlo Dieckmann zum Beispiel fahren ja sehr gute Ergebnisse ein und leben so wie ich für ihren Sport. Es ist nun mal so, dass wir nicht bei jedem Contest automatisch um den Sieg mitfahren. Das ist nun mal so und mich stört es nicht wirklich. Das soll jetzt aber auch nicht heissen, dass ich resigniert habe. Ich bin nach wie vor motiviert, mich weiter zu entwickeln und weiß, dass ich die X-Games in diesem Leben wahrscheinlich nicht mehr gewinnen werde. Aber deswegen stehen wir doch nicht schlecht da im internationalen Vergleich. Aber eine kleine Einschränkung kann ich vielleicht doch "zugeben": ich denke, dass in Deutschland vielleicht der Kopf zu viel mitspielt und das Herz ein bisschen zu wenig. Das ist mir schon öfter aufgefallen, sonst hätte ich zu dem Thema jetzt auch nicht so viel sagen können. Aber nicht, dass jetzt der Eindruck entsteht, wir sind alles kühle, abgezockte Kopfmenschen ;-)

Mittlerweile sitzt Du auch auf dem MTB. Wieso hast Du gerade das MTB als weiteres Sportgerät ausgewählt, zumal Du ja bereits BMX gefahren bist? Im Vergleich zu den Sprüngen beim MotoX sind die Sprunghöhen und Sprungweiten ja relativ gering.

Busty: Das ist einfach: es macht mir einfach unheimlich Spaß! Und ich kann ja nicht ständig auf dem MX-Bike sitzen. Und Dirtjumps mit dem MTB und auch dem BMX sind einfach die verwandteste Sportart zum FMX. Und mit meinem neuen T-MO SCOTT MTB kann ich auch noch ein bißchen was für die Fitness machen, was mit dem BMX definitiv nicht gut geht.

Gibt es Sportarten, die Dich noch faszinieren und Du unbedingt ausprobieren möchtest?

Busty: Ich bin ein Sportfreak, Sport ist absolut wichtig für mich und ich lerne neue Sportarten auch recht schnell. Nachdem ich neben BMX, MTB, Rennrad, Minibikes, Snowboarding jetzt auch noch mit Wellenreiten und Wakeskaten angefangen habe, ist so langsam kein Platz mehr für mehr Sportgeräte... aber ich bin offen für vieles. Im Moment fällt mir aber gerade keine Sportart mehr ein, die ich uuuuunbedingt noch ausprobieren muss. Mein neuestes Projekt ist ein ferngesteuerter Hubschrauber...

Wie sieht für Busty "Airwastl" Wolter ein ganz normaler Tag aus?

Busty: So zwischen acht und halb neun stehe ich meistens auf und frühstücke dann während ich "King of Queens" oder so im TV gucke oder durch die neuesten MX, BMX oder MTB Mags stöber. Meine Freundin ist meistens schon weg um die Zeit und so muss ich mich ja beschäftigen... nach dem Frühstück checke ich meist meine Emails und erledige etwas Papierkram. Am Nachmittag gehe ich dann meistens trainieren. Abends freue ich mich dann auf ein leckeres Essen mit Maya und danach klingt der Abend aus vor der Glotze, im Kino, am Rechner oder so. Aber natürlich ist das Leben eines FMX-Pros alles andere als normal und meistens bringt irgendetwas diesen normalen Tagesablauf durcheinander und ich muss Krisenmanagement in meiner Terminplanung spielen...hehe!

Hast Du noch einen Tipp für die junge Generation, egal ob jetzt MX oder MTB, die in Deine Fußstapfen treten wollen?

Busty: Ja, auf jeden Fall: Hört auf euer Herz! Und tut dann etwas für die Erfüllung eurer Träume! Von nichts kommt nämlich nichts, auch nicht, wenn man wie ich superviel Spaß an seinem Job hat. Aber trotz des "Arbeitsaspektes" verliert niemals den Spaß an der Sache!

So, wir haben genug genervt ;-) Wir danken Dir für das Interview und wünschen Dir weiterhin viel Spaß und Erfolg :-)

Mehr Informationen, Bilder und Videos findet ihr unter www.bustywolter.com

Copyright (c) Fotos: Christoph Leib

Waldy
(07.12.2006)