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Kratein - Trauma - CD Vorstellung
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Manchmal fragt man sich ja doch, was so in dem Kopf des einen oder anderen Musikers vorgehen mag - was unterscheidet den Wahnsinn von der Genialität? Bei den Black Metallern Kratein darf man zumindest wohl beides vermuten, wenn man sich erstmal das Debütalbum "Trauma" zu Gemüte geführt hat.

Gerne würde ich mit der Nennung der Titel anfangen, diese zu entziffern war mir aber anscheinend nicht ganz vergönnt. Doch Titel sind wie Namen nur Schall und Rauch, weshalb wir uns direkt dem eigentlichen Teil dieser Review, der blackmetallisch düsteren Musik widmen wollen. Bereits beim Hören des Intros, welcher sich aus (deutschen) Nachrichtenfetzen, Chorgesängen und kirchlichen Reden zusammensetzt, kommen Zweifel auf. Das hat unsereins selten, dass man nach dem Intro kaum noch Lust auf den Rest des Albums hat, aber so etwas muss es ja auch geben. Ich weiß nicht genau, was uns Kratein mit diesem konfusen Intro mitteilen will, aber sei es drum - wir hätten darauf verzichten können. Kurz gesagt: CD aus dem Player nehmen? Die bis dahin vernommenen Geräusche schnellstens vergessen oder aber schweren Herzens und voller Zweifel weiterhören? Man darf verraten, dass sich die letztere Option lohnt - und das nicht zu knapp! Der zweite Track erscheint wie ein gleißend heller Lichtpunkt an diesem düster verhangenem Blackmetal Firmament. Da ich, wie gesagt, die Titel nicht entziffern kann, verzichte ich auf die Nennung. Nach dem konfusen Intro verwöhnt der zweite Song anfänglich die bis dahin geschundenen Gehörgänge mit zarten Klängen, bevor ein regelrechtes musikalisches Gewitter losgeht, welches der ehrwürdige Thor mit seinem Hammer hätte nicht besser losbrechen können. Einem Befreiungsschlag gleich schreit der Leadsänger ins Mikro, unterstützt durch den infernalen Sturm der Instrumente. So wie Kratein hier ihre Form des Black Metals zelebrieren und zum Glück das Intro weit hinter sich lassen, so schnell vergisst man als Zuhörer genau jenes und schreitet mit Kratein hinunter in die Tiefen des Metals. Was sehr gut gefällt ist die Tiefe und der Wandel in den Songs, welches nicht nur auf den zweiten Song zutrifft. Mal ein infernales Donnerwetter, mal schleppend, Kratein vermag wirklich zu begeistern - wer hätte das nach diesem Intro gedacht?! Geradezu nahtlos gelangt man von Track zwei zu Track drei bevor bei Track vier der Leadsänger seine Stimmbänder schonen darf - er hat es sich verdient. Bei dem reinen Instrumentalstück kann man tief in sich kehren und sich einfach den seichten Tönen der Akkustikgitarren hingeben. Es hat schon fast den Anschein eines Outros, doch mit den beiden letzten Songs gibt Kratein nochmal mächtig Gas. Im Gegensatz zu dem sonst vorherrschenden bösen Gesang des Leadsängers wird Track 5 durch einen bis dahin ungewohnten Sprechgesang unterlegt. Die eingängige Melodie schraubt sich in den Schädel und genau diesen Moment der völligen Auslieferung seitens des Zuhörers nutzt Kratein gnadenlos aus mit dem niederschmetternden Track 6. Hier wird wieder in feinster Marnier gedroschen und der Leadsänger gibt noch, ein letztes Mal auf diesem Album, sein Bestes. Wenn einem bis dahin nicht schon schwindelig ist, spätestens jetzt fällt man als Zuhörer in einen musikalischen Strudel - ganz große Klasse! Wer hätte das gedacht - nach diesem Intro! Der Unterschied zwischen Wahnsinn und Genialität? Gibt es einen???

Infos zur Band: www.myspace.com/kratein

Label: Folter Records

Waldy
(24.03.2010)