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Aldi Bekleidung im Test - Weiß Aldi, was Biker wünschen?
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Wer kennt es nicht? Da wird jeder Euro ins Bike gesteckt, und wenn dann noch etwas Geld übrig bleiben sollte, plant man noch schnell vor der nächsten fälligen KFZ-Versicherung seinen Bikeurlaub. Schnell ist die heimische Kasse leer. Meist bemerkt man erst kurz vor der Abreise in den Urlaub das Fehlen von elemantaren Bestandteilen des Bikens. Die Kleidung. Verflucht, wer will schon in zerissenen Jeans oder in Opas Unterbuxe (Hochdeutsch: Unterhose) seinem liebsten Hobby nachgehen?! Rechtzeitig, geradezu diesen Mißstand der bundesdeutschen Biker witternd, fällt uns ein Prospekt des Lebensmitteldiscounters Aldi-Süd in die Hände. Unsere Augen fangen vor Freude an zu glänzen. Radbrillen, Bikewesten, Bikeunterwäsche und Bikehosen samt Einlage schreien geradezu "kauf mich, kauf mich". Und das alles zu taschengeldfreundlichen Preisen. Der Weg zu Aldi gestaltet sich geradezu halsbrecherisch. Weder Freund noch Feind kann das Team der Fraktur noch aufhalten, diese Artikel zu erwerben. Wir rechnen mit tragischen Szenen am Verkaufstisch, sich um die Ware prügelnde Menschen. Doch Respekt, der Artikelbestand bei Aldi erwies sich mehr als ausreichend. Glücklich, zufrieden, unversehrt und bepackt wie die Esel verlassen wir den Lebensmitteldiscounter mit folgenden Artikeln:

Rad- und Sportbrille, Preis: 1,99 Euro
Bikeweste, Preis: 8,99 Euro
Radler-Unterhose, Preis: 4,99 Euro
Radlerhose, Preis: 6,99 Euro

Sarkastisch könnte man sagen, das Waschmittel für die Wäsche ist teurer als die Hose selbst. Auch der Preis der Brille wirft die Frage auf: "Taugt das Zeug?". Da Aldi-Süd immer wieder solche Aktionen im Programm hat, macht es Sinn, diese Artikel einem Test unter härtesten Bedingungen zu unterwerfen. Dies sollte nicht auf heimischen Trails geschehen, sondern bei strapaziösen Einsätzen während unseres Aufenthalts in Südfrankreich.

Weiß Aldi, was Biker wünschen? Wir werden sehen...

Radlerunterhose
Ein Härtetest nicht nur für den Allerwertesten, sondern auch für die Radlerunterhose sollte die Fahrt durch das Colorado mit einer Visite der Schlucht bei Oppedette (Canyon d'Oppedette) werden. Knappe 50 Kilometer bei über 1400 Höhenmeter sollten zeigen, ob die Unterbuxe von crane sports ihr Geld wert ist, immerhin stolze 4,99 Euro. 88% Polyamid-Tactel und 12% Elastan-Lycra mit einem antibakteriellen Sitzpolster aus 100% Polyester-Coolmax weist der Hersteller auf der Packung aus. Tatsächlich sitzt die Unterhose recht gut, aber das sehr dünn geratene Sitzpolster läßt nach kurzer Zeit den Allerwertesten grüßen. Am Schlimmsten erwischt es aber die zwischen den Pobacken und dem Oberschenkel angrenzende Falte. Das Bündchen für die Hose hört genau in dieser Falte auf, ein Scheuern ist vorprogrammiert. Nach der Tour verbannen wir die Radlerunterhose in die Schublade "Muß ich nicht haben".
Fazit: Nach Beendigung der Tour bleibt festzustellen, daß diese Hose in unseren Augen für lange Touren ungeeignet ist. Kurze Ausflüge sind ok, aber da würde auch eine normale Unterbuxe reichen.

Radlerhose
Die Radlerunterhose verbannend, war der zweite Testtag war für die Prüfung der Radlerhose vorbestimmt. Die Tour zum und über den Grand Luberon brachte an diesem Tag insgesamt 1710 Höhenmeter bei nur 22 Kilometer. Lange mühsame Tretpassagen, die vom Allerwertesten viel abverlangten. Eine gute Radlerhose ist hier ein Muß. Die Radlerhose stammt, wie die Radlerunterhose, von crane sports und schlägt mit 6,99 Euro zu Buche. Der Oberstoff besteht aus 90% Polyamid und 10% Elastan-Lycra, der Innenslip aus 100% Polyester. Diese Hose war in einer weiten und einer engen Passform erhältlich. Wir haben uns für die enge Passform entschieden. Sogar ein Bündchen zum Verstellen der Taille weist die Radlerhose auf. Trotz der recht dünnen Einlage konnten wir am Ende der Tour noch gemütlich in einem Biergarten sitzen. Die Hose hat gute Dienste geleistet und keine Scheuerstellen hinterlassen. Blieb nur noch die Frage, wie lange man Spaß an solch einer Hose zu solch einem Preis hat. Wir haben diese Hose in den darauffolgenden Tagen weiter getestet und konnten außer leichten Gebrauchsspuren keine Makel erkennen.
Fazit: Der Preis von 6,99 Euro für diese tourentaugliche Radlerhose ist ein Schnäppchen und trotz der dünnen Einlage ist ein Kauf empfehlenswert.

Radler-Weste
Die Tests in Frankreich waren allerdings nicht nur den Hosen vorbehalten, sondern auch der Radler-Weste, die bei Aldi zu sagenhaften 8,99 Euro über die Theke ging. Wer kann dazu schon nein sagen. Dafür bekommt man 100% Polyester, ebenfalls von crane sports. Die Weste läßt sich praktisch zusammenlegen und am Lenker als Tasche fixieren, auch wenn auf der Verpackung von einem "Lenkrad" die Rede ist. Sogar die Taille läßt sich einstellen. Das Rückenteil besteht aus einem Netz. Natürlich ist auch die Weste, wie schon die Radlerhose und Radlerunterhose, atmungsaktiv und feuchtigkeitsregulierend. Der Testtag am Grand Luberon zeigte, die Weste ist ein Hit. Für 8,99 Euro bekommt man ein Kleidungsstück, welches auf keiner längeren Tour fehlen sollte. Die Weste war für uns bei den wechselhaften und zum Teil recht heftigen Temperaturschwankungen der Retter in höchster Not. Unser Tip! Auch die Qualität kann sich sehen lassen. Selbst nach vielen Einsätzen zeigte sich die Weste noch von der besten Seite. Positiv fällt auch die Verwendung von Reflektionsstreifen auf.
Fazit: Sehr empfehlenswert!

Bike- und Sportbrille
Apropo sehen... Natürlich will ein jeder auf dem Bike gut aussehen, aber auch der Schutz sollte nicht zu kurz kommen. Also haben wir für 1,99 Euro auf dem Wühltische zwei Bike- bzw. Sportbrillen (Filtral GmbH & Co. Vertriebs KG) ergattert. 100% UV-Schutz, bruchsichere Polycarbonat-Scheiben und kratzfeste Beschichtung verspricht die Verpackung. Die Brillen waren in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Selbst verschiedene Schutzstufen von leicht bis sehr stark getönt waren auf dem Wühltisch vertreten. Wählerisch wie wir sind, haben wir uns direkt zwei verschiedene Vertreter unter den Nagel gerissen. Positiv beim Tragen der Brille fällt auf, die Brillen sitzen gut und Dank der Gummierung an den Brillenbügel sitzen die Brillen sogar bei Rüttelpassagen noch dort, wo sie hingehören: auf der Nase. Den UV-Schutz können wir erst in 50 Jahren bestätigen, wenn wir bis dahin nicht erblindet sind. Absprechen müssen wir die Kratzfestigkeit der Brillen. Schon nach wenigen Einsätzen prangen relativ starke Kratzer auf den Brillengläsern. Aber für diesen Preis kann man sich direkt ein Duzend Reservebrillen anschaffen.
Fazit: Für den Preis wohl nicht schlagbar, aber für den ernsthaften dauerhaften Einsatz beim Biken nicht unbedingt geeignet.

Gesamtfazit des Tests:
Bei Aldi kann man Tatsache ein lohnendes Schnäppchen machen. Natürlich sollte jeder die Ansprüche und Erwartungen an das Produkt abschätzen. Manchmal weiß Aldi nämlich wirklich, was Biker wünschen :-)

Waldy
(19.05.2005)