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Gardasee - Downhillen am Lago di Garda
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Der Sentiero 601
Wenn man zu seinen Lieblings-Jeans von Levis 100 addiert (plus nehmen, kennt ihr doch) dann kommt als Ergebnis wohl einer der schönsten Downhills die der Gardasee, Italien, ja ganz Europa oder sogar... zu bieten hat. Naja jedenfalls was ganz Tolles. Seit zwei Jahren ist der Sentiero 601, der sich vom Altissimo Nago irgendwo östlich von Torbole die Berge hinunterwindet nicht nur mein Lieblingstrail. Dieses Jahr haben wir ihn zu 100% gerockt. Das Shuttle (CoastTOCoast kann man nur empfehlen, cooler Shuttelfahrer mit guter Musik und dem extra 400mg Adrenalin intravenös, wenn er die Berge raufheizt) setzt uns auf 1700 Höhenmeter ab, denn da ist ein Weiterkommen mit dem Shuttlebus unmöglich.

Um die 601 komplett zu fahren müssen wir nun noch bis auf 2078m hinauflaufen, was sich mit kompletter DH-Ausrüstung incl. Räder und steinigen Wegen als wahre Tortur erweist. Doch ein nicht immer eiserner Wille und der liegengebliebene Schnee (Schlürf-jetzt kommt der Fuchswurm) ließen uns die Qual überstehen. Oben am Rifugio Chiesa geht es dann wirklich nur noch Bergab. Zunächst durch Matsch und Schneefelder über lose Steinbrocken, dann immer felsiger und trockener. Oft überquert man später dann die Straße, wo man auf die Lahmärsche in der Gruppe warten kann und von denen man dann wieder in den DH-Traum aus Geröll und Fels tauchen kann.

Waldige Passagen sorgen für Abwechselung. Doch nach 1000m (Höhenmetern wohlgemerkt) machen sich Ermüdungserscheinungen breit. Schlechte Bremsen werden gnadenlos entlarvt und die Unterarme (vor allem der flexor digitorum) werden hart wie Gardasee-Granit. Die schwache Konzentration lässt mich über Steine prügeln die ich im vollen Bewußtsein wohl als bedenklich eingestuft hätte. Doch man fährt wie im Rausch. Devise: Point and kill it. Wer lange eine Linie sucht kommt leicht ins straucheln. Entschlossen über die großen Brocken und hoffen, daß das Fahrwerk alles mitmacht. Der Traum findet dann in Torbole ein Ende. Fahrtechnisch ist die Strecke wohl anspruchsvoll (viel Federweg tut gut) aber durchaus gut zu meistern und keineswegs unfahrbar. Wer jedoch ohne seine Arme auszuschütteln und Pause durchfährt ist entweder hart im Nehmen, hat Unterarme wie Mike Thyson oder hat trainiert. Merken kann man sich bei dieser Länge nun wirklich nur einen Bruchteil. Auf jeden Fall ein Highlight am Lago!

Monte Brione
Schon wirklich kein Geheimtip mehr! Auf dem Monte Brione, zwischen Riva und Torbole ca. 350m über dem See befindet sich der Einstieg in den Sentiero de la Pace. Leider ist das Shutteln und das Befahren mit Autos auf der Straße den Brione hoch verboten, so muss man sich zu Fuß oder mit dicken Beinen den Brione hochkämpfen. Der gemütlichste Weg ist die asphaltierte Straße einfach den anderen Radfahrern hinterher. Während des Bike-Festivals haben uns hier unzählige Biker überholt und sind uns auch entgegen gekommen. Nach dem Fußmarsch wurden wir direkt von der echt großen Bunkeranlage begrüßt, auf dessen Dach wir uns erst mal mit 20 anderen Bikern sonnten.

Doch irgendwann zwangen wir uns doch in die Protektoren und schossen uns den Trail hinab. Hier ist allerdings Vorsicht geboten, die Nähe zur Stadt machen den Brione zum beliebten Ausflugsziel von Wanderern und er darf eigentlich nicht von Bikes befahren werden. Doch in der Praxis... Die Strecke ist echt super! Für ungeübtere Fahrer gibt es fast immer einen Weg an den großen Steinen oder Absätzen vorbei, für Leute mit mehr Ambitionen kann es auch echt Spaßig sein. Vor allem Absätze und Stufen und auch einige Felsen bieten die Möglichkeit einer heftigeren Linie und mit etwas mehr Speed hat man eh nicht viel Zeit zum Suchen.

Vor allem Absätze und Stufen und auch einige Felsen bieten die Möglichkeit einer heftigeren Linie und mit etwas mehr Speed hat man eh nicht viel Zeit zum Suchen. Die wohl am meisten beobachtete Stelle ist im unterem Drittel eine Steintreppe mit einem echt fiesen Absatz am Schluß, der uns mächtig Ehrfurcht einflößte. Ansonsten kann man es nach zwei mal Brione richtig fliegen lassen, da sich die Schlüsselstellen schnell einprägen. Auf jeden Fall kurz (für Gardasee-Verhältnisse) aber Giftig. So einen wünsch ich mir in Deutschland (vielleicht vor meiner Haustür?)

Alex
(1999)

Nachtrag: Leider ist der Monte Brione nicht mehr so befahrbar, wie noch im Bericht erwähnt!
Schade, wirklich sehr schade :-(