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Wieso nicht mal... Trimm Dich! Es gibt doch noch Hoffnung!
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Es gibt Momente wo einem auf einem Schlag alles bewusst wird. Nicht langsam Schritt für Schritt, nein, die ganze brutale Härte der Realität wird einem in einem Augenblick bewusst. Dieser eine Augenblick. Schweißperlen treten auf die Stirn, die Augen weiten sich, unfassbar was sie gerade sehen. Die Gesichtsfarbe wechselt von einer natürlichen Ergoline500 Bräune auf aschfahl. Doch es ist wahr...der Blick verheißt nichts Gutes. Aber es gibt Hoffnung. Es ist noch nicht vorbei. Der Blick wandert von der Digitalanzeige der Personenwaage auf die etwas höher liegende Plauze. Es ist die eigene Plauze, leider. Der Winter hat wieder zugeschlagen. Nein, nicht der Winter, eher die Behaglichkeit des eigenen Kamins oder wie bei mir die der Zentralheizung. Zu oft erlag man den Leckereien die besonders im Winter den Gaumen locken.

Doch damit ist jetzt Schluss. Das Wetter wird besser, die Sonne lacht zumindest manchmal. Doch was tun? Wer will schon stundenlang auf dem Bike sitzen, gerade jetzt wo man so aus der Übung ist und die Gefahr von vor Kälte abfallender Ohren und somit des Erscheinungsbildes eines Kollegen aus der Formel Eins gegeben ist. Eine gute Alternative für diese Übergangszeit wäre ein Besuch einer Muckibude. Führen wir uns aber die Kosten und den Nutzungszeitraum vor Augen erscheint der Jahresbeitritt nicht unbedingt so sinnvoll. Ein Vorteil der Muckibude wäre mit Sicherheit die völlige Wetterunabhängigkeit und die Unabhängigkeit vom Tageslicht. Aber wer will schon im Hochsommer Indoor schwitzen. Und den Herbst und den Frühling hinter Glas zu verbringen ist ja auch nicht unbedingt jedermanns Geschmack.

Wir erinnern uns. Zumindest die älteren unter uns. In den siebziger Jahren rollte eine Fitnesswelle über Deutschland, die eine Unmenge von TrimmDich-Pfaden mit sich brachte. Nahezu überall wo mehr als drei Bäume standen wurden dieses TrimmDich-Pfade angelegt. Was liegt da näher als genau diese für uns Biker zu nutzen. Nicht zu Fuß die Strecken von Übung zu Übung zu bewältigen, sondern mit dem Bike. Das sind direkt drei Wünsche auf einmal. Biken, Krafttraining und abnehmen. Es geht also doch mit den drei Wünschen auf einmal. Doch damit hätten wir schon das erste Problem. Es scheint keine TrimmDich-Pfade mehr zu geben. Zumindest nicht mehr dort wo früher mal welche waren. Angesicht leerer Kassen lassen die Städte die Steuerzahler lieber an Fettleibigkeit sterben als einen Parcours aufzustellen. Bravo.

Doch nach einiger Suche wurden wir fündig. Unser Ziel war Ratingen. Und eines muss man direkt von Anfang an sagen. Der TrimmDich-Parcours der Stadt Ratingen war in bestem Zustand. Es geht also doch. Ein Lob von hier aus an diese Stadt für den Parcour der Vita-Lebensversicherung (Zürich). Doch genug geschwafelt, wir begeben uns sofort an die Begehung des Parcours und erklären worum es bei den einzelnen Übungen geht.

Übung 1:
Arme kreisen vorwärts, seitwärts und rückwärts

Diese Übung kam direkt nach einigen Metern. Nicht besonders spektakulär und auch nicht besonders anstrengend. Aber der ideale Einstieg.

Übung 2:
Beugen und Strecken mit Armheben hoch (O-Ton)

Schon wieder keine Geräte zum Turnen. Der Satzaufbau der Anleitung darf in keinem Deutschunterricht fehlen. Diese Übung war auch nicht so sonderlich spaßig. Wir erwarten mehr.

Übung 3:
Vorne überbeugend in den Knien wippen und mit den Armen kreisen

Wer diese Übung beherrscht dürfte auch als Skispringer (my name is Hannawaldy) keine schlechte Figur machen. Leider hätte ich bei dieser Übung fast mein Leben verloren weil mir aus dem geöffneten Rucksack die Trinkflasche auf den Kopf fiel. Wir lernen: Nie ohne Helm!

Zwischenübung:
Laufen mit Knieheben und Anfersen im Wechsel

Lauf Forest, lauf... Wir haben die Übung etwas erweitert und uns Handicapgewicht auferlegt. Sieht albern aus, ist aber ziemlich schweißtreibend. Komisch, wir waren die einzigen mit geschultertem Fahrrad?!

Übung 4:
Haben wir nicht verstanden...

Daniel hat versucht die Übung für euch nachzuvollziehen. Das Ergebnis seht ihr hier. Könnte aber anstrengend sein wenn man begreifen würde was man machen soll.

Übung 5:
Linke Hand auf rechtem Fuß, rechte Hand auf linkem Fuß

Paaaah, wie einfach. Kennt doch jeder aus dem Schulsport. Frust macht sich breit. Wir wollen doch Geräte haben. Und meine Flasche machte sich auch schon wieder selbstständig.

Übung 6:
Über Balken hüpfen

Okay, da haben wir jetzt Geräte. Wenn es auch nicht das ist was wir uns vorgestellt haben. Aber irgendwie ganz schön hoch und super anstrengend. Ein flüssiger Lauf scheint mir hier fast unmöglich zu sein. Lange Beine mit Sicherheit von Vorteil.

Übung 7:
Mal wieder mit den Armen fuchteln

Was ganz Neues. Sieht auf dem Bild zwar aus wie fernöstliche Kampfkunst, ist es aber nicht. Schon wieder eine Übung ohne Geräte. Weder anstrengend noch spektakulär. Dafür sogar im Wohnzimmer durchführbar. Einziges Handicap war mal wieder meine Trinkflasche.

Übung 8:
Klimmzüge

Endlich eine Herausforderung. Wie, gleich sechs Klimmzüge?! Hier wird uns das erste Mal der desolate Zustand unserer Armmuskulatur bewusst. Eine Übung die echt auspowert!

Übung 9:
Über den Balken und untenrum(!) wieder zurück

Hört sich einfach an, und der erste Teil mit über den Balken schwenken ist noch relativ gut nachvollziehbar. Aber unter dem Balken zurück? Was dabei rauskommt sieht man an Daniels Ausführung. Hat schon mal jemand diese Aufgabe gelöst? Wir wissen es nicht und ziehen von dannen.

Übung 10:
Rechts und links über Balken springen

Wir sind Biker und haben deswegen die Übung leicht modifiziert. Macht Spaß und kostet Körner.

Übung 11:
Sit-Up

Die Übung für den Bauch. Wir empfehlen aber nicht die Übung wie auf der Tafel abgebildet nachzumachen. Dort solle man den Oberkörper ganz aufrichten. Das schädigt aber nur dem Rücken. Wir empfehlen nur im unteren Bereich leicht mit dem Oberkörper nach oben gehen. So wird die Bauchmuskulatur gekräftigt und der Rücken geschont.

Übung 12:
Knie anwinkeln und durchstrecken

Nach dem ganzen Gefuchtel mit den Armen zur Abwechslung mal eine Übung speziell für die Beinmuskulatur. Aber auch hier bietet sich die Möglichkeit die Übung mit dem Bike leicht zu modifizieren.

Übung 13:
Balken schultern und den Rumpf links und rechts verdrehen

Die Übung mit dem höchsten Funfaktor. Zugegeben, etwas modifiziert. Der Balken, der eigentlich geschultert werden soll, eignet sich hervorragend zum Verprügeln von meuternden Redakteuren :-) Bitte liebe Kinder! Nicht nachmachen! Man kann es ja nicht oft genug erwähnen!

Übung 14:
Aufhängen und Becken kreisen lassen

Krasses Gerät. Krasse Übung. Hier ließe sich natürlich noch viel mehr anstellen, aber wir wollen ja jugendfrei bleiben. Also...na ja, zum sportlichen Teil fällt mir nicht so viel ein...

Übung 15:
In Stütz springen (O-Ton)

Auf der Anweisungstafel steht das Stütz soviel heißen soll wie Popo...hmmm...wir haben uns geweigert diese Übung zu machen und schnell die Flucht ergriffen.

Übung 16:
Kniebeugen

Anscheinend ein Überbleibsel aus den siebziger Jahren. Heutzutage ist allgemein bekannt wie schädlich Kniebeugen sein können, besonders wenn wie hier mit Gewichten die Kniebeugen gemacht werden sollen. Wir raten von dieser Übung ab.

Übung 17:
Liegestütz

Sehr schön, hier hat jemand mitgedacht. Um sich die Schuhe bei dieser Übung nicht zu verschmutzen, wurde eigens ein Balken als Unterlage für die Schuhe bereitgestellt. So werden wenigstens nur die Hände im Schlamm schmutzig.

Übung 18:
Schon wieder?

Hatten wir irgendwann an diesem Tage schon. Macht aber immer noch nicht mehr Spaß. Und richtig begriffen haben wir es auch noch nicht.

Übung 19:
Wanderhangeln an Holmen

Stop! Wie weit müssen wir für Ruhm und Ehre noch gehen? Nein, wir haben uns wieder geweigert diese Übung gemäss Anweisungstafel nachzumachen. So langsam kommen wir hier im tiefen dunklen Wald ans Grübeln...

Übung 20:
Auf Balken balancieren, vorwärts und rückwärts

Das ist ja mal wieder spaßig. Mit Bike, ohne Bike, wie jeder so mag. Mit Bike empfehlen wir aber nur bei absoluter Trockenheit. Autsch.

Unseres Erachtens haben die TrimmDich-Pfade nach wie vor ihre Daseinsberechtigung. In der momentan modernen Fitness- und Wellnesswelle eignen sich die Übungen sehr gut als Ausgleich zu anderen Sportarten oder als allgemeine Übung für den Nichtsportler. Die Angabe der zu absolvierdenden Übungen kann man je nach Belieben steigern. Einige Übungen wie zum Beispiel die Kniebeugen mit Schultergewicht sollte man überdenken. Viele Übungen kann man aber auch woanders durchführen wo einem kein TrimmDich-Pfad zur Verfügung steht, und sei es im eigenen Wohnzimmer. Im Gegensatz zur Muckibude herrscht mitten im Wald auch keine Kleiderordnung und somit ist das Flair eines Laufstegs nicht gegeben. Jder kann wie er will. Also shake your ass und nichts wie raus in den Wald!

Waldy
(17.06.2003)