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Aus dem Leben eines Bikers... oder "Scheiss Wetter, lustige Leute"
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Spontanität, die Mutter aller Eigenschaften.
Auch an diesem regnerischen Sommertag mit Toptemperaturen von satten 15 Grad, haben wir mal wieder unsere Fähigkeiten zu diesem Thema bewiesen. Also schnell um 16 Uhr das Telefon gezückt und den Kollegen angerufen, dann das Auto gepackt, anschließend schlafen gelegt und um 2 Uhr Nachts die Fahrt zum Bikepark am Geisskopf angetreten. Endlich mal raus, auch wenn's nur mal für ein paar Tage ist, aber so was tut einfach gut. 7,5 Stunden und knappe 700 Km später haben wir unser Ziel erreicht: Der Bikepark. Angelegte Strecken in allen Varianten, ein Lift der einem das schlimmste und nervigste erspart, keine meckernden Wanderer....ein Traum !! Besonders für uns Flachlandtiroler die das heimische Gipfelkreuz auf 88 Meter Höhe stehen haben. Und das Wetter ?! Überraschend akzeptabel. Es ist zwar bewölkt, aber trocken. Die Temperaturen lassen sich mit den heimischen Messen, aber nach zwei Abfahrten in voller Downhillmontour schwitzt man eh aus allen Poren. Die Freude hält uns beide nicht mehr länger. Kofferraum auf, Umziehen, Bikes raus und ab zum Lift!

Es ist noch alles so unwirklich. 18 Stunden zuvor ärgerte man sich noch über das Wetter und fragte sich was man mit so einem F*?! Tag nur anfangen soll. Jetzt sitzt man entspannt im Lift, das Bike im Rücken, den Helm in den Händen und ist unterwegs zu einer traumhaften Bundesliga Downhill Strecke. Mit jedem Meter den der Lift zurück legt weicht die unwirkliche Stimmung der Freude auf das bevorstehende. An der Bergstation angekommen nehm ich mein Hardtail entgegen und schiebe die letzten Meter zur Downhill Piste. Mein Kollege Simon hinter mir. Am Start den Helm aufsetzen, die Brille anziehen, Handschuhe an, durchatmen und los! Überrascht stellen wir fest das die Strecke trotz der Unwetter der vergangenen Tage längst nicht so nass ist wie wir dachten. Ganz im Gegensatz zum Evil Eye Trail - die North Shore Passagen aus Holz waren im oberen Teil so nass das sie absolut unbefahrbar waren. Ab der Mittelstation war es aber wieder ganz akzeptabel. Nachdem wir alle Strecken durch hatten und erneut im Lift auf dem Weg zur Bergstation waren, spürten wie absolut nichts mehr von unserem Unmut den wir noch einen Tag zuvor hatten. Es war einfach nur noch Spaß pur ! Auch ein paar kleinere Schauer konnten unsere gute Laune nicht trüben.

Nach 3 Stunden lockte uns der Durst zurück zum Auto -- wo wir unverhofft eine wertvolle Lektion lernten. Was ist noch härter als mit einem Hardtail die DH Piste zu rocken?! Richtig!! Mit einem Trabi von Berlin bis zum Bikepark zu gurken !! Aber die beiden Hardtail-Genossen Matze und Raab aus Dunkeldeutschland ;-) haben es bewiesen. Es geht doch! Der erste Kontakt zu ihnen war schon sehr sympathisch. Sie fuhren im Trabi auf uns zu, kurbelten die Scheibe runter und fragten: "Ey, wisst ihr wo hier die nächste Pension ist ?! Es ist so arschkalt im Zelt.... !!". Der mitleidergreifende Blick unterstrich noch mal die Ernsthaftigkeit der Situation, in der wir zum Glück helfen konnten. Am nächsten Tag erst sollte sich rausstellen, dass die beiden nicht irgendwer sind, sondern zwei der feinsten Dirt Jungs die ich je live gesehen habe. Gegen 15 Uhr dann neigte sich das Zeitlimit unserer Liftkarte dem Ende zu und so beschlossen wir den ersten erfolgreichen Bikepark Tag zu beenden um uns selber um eine Unterkunft zu kümmern. Unweit des Parks kamen wir in einem guten Hotel unter.

Da es gerade mal erst 18 Uhr war, beschlossen wir den Abend beim Klettern gemütlich ausklingen zu lassen. Also ab in die nächsten Felsen. Eigentlich war nur Bouldern geplant, was das Klettern in Absprunghöhe bezeichnet. Als wir dann 8 Meter über dem Erdboden waren, stellte sich schnell raus, dass das nicht mehr viel mit Bouldern zu tun hat. Zwei Stunden später zwang uns der dunkle Himmel doch zu einem frühzeitigen Ende der Kletter-Session. Wir tauschten die Kletterschuhe gegen die Bikeschuhe und fuhren 2 Km feinsten Singletrail zurück zum Parkplatz. Dort angekommen fing es auch direkt an zu regnen was aber nicht weiter schlimm war. Denn jetzt kam unser Hunger zum Vorschein und so nutzen wir die letzten Stunden des Tages um gemütlich eine Pizza zu genießen, bevor sich jeder ein heisses Bad gönnte und anschließend ins Bett sinkte.

Am nächsten Morgen trafen wir uns um 09.30 Uhr zum Frühstück. Die reichhaltige Auswahl des Hotels lies keinerlei Wünsche offen und somit setzten wir uns an einen der fertigen Tische und genossen ausgiebig die wichtigste Mahlzeit des Tages. Frisch gestärkt ging es anschließend wieder zum Bikepark. Neben den beiden Recken aus der Hauptstadt haben sich heute noch einige andere zum Biken am Park versammelt. Unter andere drei lustige Leute aus der Schweiz, die angesichts der heimischen Bedingungen mit 2 Grad und Dauerregen doch lieber den Bayerischen Bikepark vorzogen.Nach einem erneut erfolgreichem Tag, trafen sich zum Schluss alle unten an den Jump Trails. Bereits auf der Bikercross Strecke zeigte sich das mit den Berliner Jungs irgendwas nicht stimmte, denn bei jedem Sprung flogen sie locker 1,5 - 2 Meter höher als der versammelte Rest.

Was sie dann jedoch an den Jump Trails boten, stellte die Gesetze der Physik in Frage. Superman, No hander, Busdriver, fette X-Ups, Indian Air, Table Top, CanCan und alles in einem Style, wie ich ihn selten gesehen habe. Da setzten sich auch die Jungs aus der Schweiz erst mal hin und genossen die Show. Das bewusst werden über das eigene Können in Sachen Dirt hätte unweigerlich eh nur zu Depressionen geführt. Was die beiden 20 Jährigen mit ihren Dirtbikes zeigten gehörte wirklich zur pro class! Es ist fraglich, ob gewisse Umstände wie z.B. Timo Pritzel als Trainingspartner und dessen Dirts als Übungsgebiet, den Erfolg positiv beeinflusst haben. Als sich der Bikepark Tag erneut zu Ende neigte, löste sich die Bike Gemeinde wieder auf und Simon und ich beschlossen erneut unserer Kletterleidenschaft nachzukommen. Auch Tag 2 wurde erfolgreich mit einer Pizza und Bier beendet.

Am nächsten Tag haben wir beschlossen wieder zurück zu fahren. Am Morgen gönnten wir uns im Hotel beide mal ein Massage bei der optisch sehr ansprechenden Masseurin, bevor es zum Frühstück ging. Im Anschluss daran wurde der Wagen wieder gepackt, wir fuhren noch mal zum Bikepark um uns zu verabschieden und traten den Rückweg nach Krefeld an.

Die Erlebnisse und Bekanntschaften der letzten Tage konnten durch nichts getrübt werden. Auch nicht durch die Tatsache, daß es 10 Meter hinter dem Schild "Willkommen in NRW" anfing zu schütten wie aus Eimern. In anbetracht der Alternative, die wir zu diesen wunderschönen Tagen gehabt hätten, nämlich uns weiterhin über das Wetter und steigende Spritpreise aufzuregen, stellten wir erneut fest, daß es genau diese Spontantrips sind die und senkrecht halten. Mit allen Erlebnissen die man sammelt, und besonders die Leute die man trifft! Wenns euch auch so geht, und ihr euch vom Sommer nur angepisst fühlt, ein kleiner Tipp: Go out an play !! Nur die gelebten Stunden zählen!!

An dieser Stelle noch Grüsse an: Matze + Dominik aus Berlin, die Schweizer von feelfederweg.ch und an Anette und Dieter!!

Markus
(22.07.2004)