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Wieso nicht mal... Bouldern - Es sind schon viele Meister vom Himmel gefallen - www.fraktur-magazin.de

Die Idee, Bouldern auszuprobieren, wurde eigentlich aus einem Notstand heraus geboren. Nein, eigentlich nicht direkt! Markus konnte wohl eher mein Gejammer im Winter nicht mehr ertragen und meinte, Bouldern wäre für mich die perfekte alternative Sportart für die dunkle und nasskalte Jahreszeit! Wieso sollte ich ihm nicht glauben, immerhin ist er ein Biker und nebenbei boulderte er schon so eine ganze Weile in der Gegend rum! Unser erstes Meeting diesbezüglich war dann auch direkt, bei schönstem rheinischen Winterwetter mit Nieselregen um den Gefrierpunkt, in einer speziellen Boulderhalle!

Wie bitte, Bouldern? Was ist das denn eigentlich? Bouldern ist das seilfreie Klettern an Felswänden oder speziellen Kletterwänden in geringer Höhe bzw. Absprunghöhe. Der Vorteil beim Bouldern ist, neben einer Stärkung sämtlicher Muskeln im Körper und einer Schulung der Bewegungsapparates, dass dieser Sport auch von nicht schwindelfreien Personen ausgeübt werden kann. Hört sich gut an, und klingt irgendwie gar nicht so schwer! Mach ich doch mit links, so als durchtrainierter Biker! Pah, wie ein Äffchen ein bisschen die Wand langhangeln kann ja nicht sooo schwer sein!

Der erste Versuch an der Kletterwand zeigte...grummel...Kletterschuhe müssen her! Das geht ja gar nicht! Mit normalen Turnschuhen hat man definitiv keinen Halt und die Auflagefläche der Turnschuhen ist zudem zu groß für die manchmal doch ziemlich winzigen Klettersteine. Zudem ähnelt das Rumgerutsche mit den Turnschuhen an den Kletterwänden eher einer Slapstick-Einlage eines Comics. Ich habe mich dann erstmal für einen Mammut Bouldozer, das ist ein spezieller Boulderschuh mit einer extrem griffigen Gummisohle, entschieden. Vergleichbar mit einer 40er Gummimischung eines Downhillreifens klebt der Schuh regelrecht an den Wänden. Die gummierte Ferse und die abgeschrägten Schuhspitzen sorgen für Trittsicherheit. Auch wenn Boulderschuhe ein bisschen wie Moccasins aussehen, die Füße irgendwie total nicht reinpassen wollen und laufen fast unmöglich ist, die Funktion beim Klettern ist beeindruckend!

Der erneute Versuch brachte mich in Windeseile von der einen Seite der Kletterwand zur anderen Seite. Kletterschuhen und meiner unglaublichen Power sei Dank. Siegesbewusst erstrahlt in meinem Gesicht ein Grinsen. Habe ich doch gesagt...ist doch gar nicht schwer (wenn man die richtigen Schuhe hat). Das Räuspern von Markus zieht mich direkt wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Die Farben der Klettersteine hätten eine Bedeutung. Jede Route hat ihre eigene Farbe. Bevor wir wieder richtig starten konnten, wies Markus noch darauf hin, dass ein Start im Stehen zwar nett wäre, aber wenig sinnvoll. Den größten Teil der Kletterroute würde man so vernichten. Das Zauberwort heißt Sitzstart...

Aaaaaaaarrrrrrrgggghhhhh... Zugegeben, die ersten Versuche waren sehr kläglich. Kann doch nicht sein, dass man so wenig Kraft in den Armen hat. Ein Blick zu den geübten Boulderern, die sich an den Überhängen zu schaffen machen, lässt ein wenig Selbstzweifel aufkommen. Da fährt man Wheelies, geht Jumpen, verbringt jede freie Minute auf dem Bike, und dann ist man immer noch so kraftlos? Schande, ist das schwer sich im Sitzen, nur mit und an den "erlaubten" Klettersteinen, hochzuziehen. Die Finger schmerzen und die Unterarme scheinen zu explodieren. Man hat das Gefühl, noch nie in seinem Leben Sport getrieben zu haben. Irgendwann schafft man dann die erste Route, andere folgen. Schnell wird klar, Bouldern ist schon echt ein geiler Sport als Ausgleich zum Biken. Ehe man sich versieht, ist man mit dem Bouldervirus infiziert.

Es macht Spaß, so viel Spaß, dass wir in Südfrankreich das Bouldern auch Outdoor ausprobiert haben. Noch besser :-) Hier sollte man sich aber unbedingt, neben den Kletterschuhen, eine mobile Matraze organisieren, ein sogenanntes Crashpad. Felsen finden sich überall. Eine Kontrolle des Materials zeigt schnell, ob sich der Fels zum Bouldern eignet. Und dem Spaß outdoor steht somit nichts mehr im Wege. Okay, so ein paar Bedenken bleiben natürlich, wenn man in irgendwelche kleinen Löcher und Ritzen packt...ob da wohl noch etwas drin lebt?

Fazit:
Bringt Muckis, macht Spaß, schult die Koordination, lässt sich zu jeder Jahreszeit und fast überall ausüben. Ein guter Kletterschuh ist allerdings ein Muss. Gute Kletterhallen mit einer Boulderecke oder reine Boulderhallen vermieten aber auch Kletterschuhe.

Viele Infos zum Bouldern und über die notwendigen Schuhe findet ihr unter www.mammut.ch

Waldy
(27.05.2005)