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Wenn es Nacht wird ... in Cuzco (Peru) - Die Stadt der Inkas
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Im Herzen von Peru, eingebettet in den bis zu 6000 Meter hohen Gipfeln der Anden, liegt die Stadt Cuzco auf einem 3400 Meter hohen Gebirgsplateau. Den Namen hat sie der Inkasprache "Quechua" zu verdanken. Denn Qosqo bedeutet im Reich der Inkas soviel wie "Nabel der Welt". Cuzco wird von den Peruanern liebevoll "Gringolandia" genannt. Und es stimmt. Die bekannte alte Festung der Inkas "Machu Picchu" verhalf Cuzco zu Weltruhm. Täglich stürmen 500 Besucher die alten Mauern der Stadt, das soziale Zentrum für alle Besucher bildet dabei Cuzco. Auch wenn Peru offiziell ein dritte Welt Land ist, so spürt man davon in der goldenen Stadt nichts. Das Stadtbild im Zentrum der 350.000 Einwohner großen Metropole ist gezeichnet von Relikten der Inkas, Restaurants und Bars, schönen und sauberen Plätzen und sämtliche andere Einrichtungen, die dem Touristen einen "All-Inclusive" Urlaub ermöglichen. Sogar einen 24/7 Supermarkt gibt es hier. Im Zuge der Südamerika Tour darf diese Stadt natürlich nicht fehlen. Deshalb führte die FRAKTUR hier den ersten transatlantischen City@Night durch.

Unseren City@Night starteten wir nach einem leckeren Abendessen von unserer Gastfamilie im Barrio Manuel Prado aus. Da die Sonne hier ganzjährig zwischen 18:00 und 19:00 Uhr hinter den Bergen verschwindet, können wir unsere Tour verhältnissmäßig früh starten. Schon die ca. 10 minütige Fahrt zum Plaza de Armas, dem Zentrum von Cuzco, gestaltet sich als Abenteuer. Als ob der Regen in der Regenzeit von Dezember bis März nicht reichen würde, ist es Tradition, im peruanischen Karneval alles und jeden nass zu machen. Dabei darf man sich aller Mittel bedienen: Ladenbesitzerinnen füllen Eimer mit Wasser und übergießen ahnungslose Passanten, Taxifahrer zücken plötzlich eine Wasserpistole und spritzen ihre Fahrgäste nass, Jugendliche laufen mit Tüten voll von Wasserbomben rum und beschmeißen jeweils das andere Geschlecht, Kinder rennen mit Sprühschaum rum und markieren alles, was ihnen über den Weg läuft. Als Tourist hat man nur zwei Chancen: sich bis Ende Februar im Haus zu verstecken oder einfach Wasserbomben kaufen und mitzumachen. Wozu wir uns entschieden haben, muss hier wohl nicht extra erwähnt werden :)

So musste sich unsere Aufmerksamkeit auf zwei Faktoren richten. Neben dem dichten Verkehr, der keine Rücksicht auf rote Ampeln, Vorfahrtsregeln oder andere Verkehrsteilnehmer nimmt, galt es den Wassersalven und Bomben, die überall vom Straßenrand her kamen, auszuweichen. Halbwegs trocken am Plaza de Armas angekommen, steuerten wir erstmal bergauf in die schmalen Gassen des Viertels San Blas. San Blas besteht so gut wie ausschließlich aus steilen Einbahnstraßen mit Kopsteinpflaster und bietet nebenbei schöne lange Treppen, die die Gassen miteinander verbinden. Doch merke: Auf 3400 Meter Höhe kann es schon zur Qual werden, sein Bike eine 100 Meter steile Treppenpassage zu schultern! Eine schöner Ort ist der "Mirador" (Aussichtspunkt) von San Blas. Von hier aus hat man eine wunderbare Aussicht über die gesamte Stadt und die anschließende unendlich erscheinende Treppenabfahrt belohnt für den brutalen Aufstieg. Mutige dürfen die zwei Meter hohe Traverse in der ca. 1,5 Meter breiten Gasse, die links und rechts von Häusern gezäumt ist, auch als Drop verwenden.

Von hier bis zum Plaza gehts nur bergab, über belebte Straßen, schmale Fußgängerpassagen und schließlich vorbei an dem Wahrzeichen von Cuzco: Der Stein der 12 Winkel. Der Hauptplatz der Stadt gestaltet sich mit seinen vielen Stufen, großen Flächen und dem zentralen Springbrunnen nicht minder attraktiv! Dank des 24 Stunden Videoüberwachungssystems, was eigentlich zur Sicherheit der Touristen installiert wurde, dauerte es nicht lange, bis die Poliziei gefallen an uns fand. Deshalb haben wir, entgegen dem Verkehrsstrom einer schmalen Einbahnstrasse, kräftig in die Pedale getreten und sind so ohne größeren Ärger in die Vororte von Cuzco geflüchtet. Nimmt man die Straße, die in Richtung Urubamba bzw. ActionValley führt, so kommt man in den kleinen Ort Poroy. Außerhalb des Touristenzentrums gestalten sich die Gegend wieder so, wie wir sie von Peru gewohnt sind. Anstatt Asphaltstraßen gibt es nur Erdpisten, Lehmhäuser mit Strohdächern stehen verteilt in der Landschaft, und aus den Bergen links und rechts der Straße schlängeln sich zahlreiche Trails ins Tal. Genau diese Trails sind für Biker ein wahrer Traum. Da es hier keine Straßenbeleuchtung gibt, sollte die Stirnlampe nicht fehlen.

Die unzähligen Trails kann man ohne Reue genießen, Haubesitzer winken einem freundlich zu und die Kinder versuchen einem hinterher zu rennen. Das einzige wirkliche Problem stellen die Straßenhunde dar. Die meisten kläffen zwar nur und rennen ein paar Meter mit, aber es gibt auch solche, die ohne weiteres zwischen die Räder rennen oder herzhaft in die Wade beißen. Die Trails sind nicht nur für Tagestouren oder Nachttouren schön, sie bilden auch einen schönen Abschluss für XC-Touren in der Region, da alle ins tiefer gelegene Cuzco führen. Die Vororte besitzen wohl auch die längsten Treppenpassagen. Bis zu 400 Meter Länge erreichen sie hier. Ein Schrittmaß, Geländer oder Plateau zwischen den einzelnen, mitunter sehr steilen Abschnitten, wie wir es aus Europa kennen, sucht man hier jedoch vergeblich. Wenn man sich auf den ersten 10 Metern lang macht, bestreiten Bike und Biker die lange Treppenabfahrt getrennt! Sämtliche Trails und Treppen münden in den größeren, zum Teil wieder asphaltierten Straßen, die weiterhin bergab in Richtung Cuzco führen. Verlässt man diese wieder und steuert statt dessen auf den Erdpisten zum Plaza de Armas, so passiert man noch einige Erdhaufen und Kanten, die man wunderschön als Tables oder Drops nutzen kann. Tipp: Nach Poroy fahren auch zahlreiche Collectivos, die die Bikes kostenlos auf dem Dach mitnehmen. Wenn man einen freundlichen Fahrer erwischt, kann man die 15 Minuten kostenlos mitfahren, ansonsten muss man 1 Sol bezahlen (ca. 0,25 Euro).

Fazit:
Cuzco hat in Sachen Urban-Downhill, Trial und Trails einiges zu bieten. Sie zählt zu den wenigen Städten in Peru, die für Touristen nach Einbruch der Dunkelheit auch noch relativ sicher ist. In der Regenzeit ist zwar nicht jeden Tag schönes Wetter, dafür ist es in dieser Zeit nicht so überlaufen mit Touristen, was sich auch positiv auf die Preise für Unterkünfte und Verpflegung auswirkt.

Markus
(18.04.2006)