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Bezaubernder Neckar - Die Fahrrad-Erlebnistour
Von Lauffen nach Mosbach

Der nächste Tag. Es ist 19.00 Uhr. Der kurze Blick zu uns war nicht wirklich mürrisch, sondern eher eine Mischung aus gelangweilt und lustlos. Keine Begrüßung und unser artiges "Dankeschön" für die Unterbringung der Räder wurde mit einem kurzen knappen "Bitte" beantwortet. Es scheinen geradezu Welten zwischen der Verabschiedung in Lauffen und der Ankunft in Mosbach zu liegen...



...dabei fing der Morgen perfekt an! Was für ein herrlicher Morgen. Die Nachtruhe in der "Alten Kelter" war perfekt. Der Frühstücksraum liegt im Keller, besser gesagt im Kellergewölbe! Was für ein geniales Ambiente! Die herzliche Begrüßung und das Frühstücksbuffet sorgen für den perfekten Start in den Tag. Natürlich kommen wir mit dem Inhaber und der Inhaberin ins Gespräch - schnell vergisst man beim Schwätzen in dem Gewölbe die Zeit. Wir erfahren noch viel zur Geschichte der "Alten Kelter" und zu Land und Leuten. Dann heißt es Abschied nehmen.

Entgegen der ausgeschilderten Route des Neckar-Radweges, die auf der anderen Seite des Neckars über die Weinberge führt, bleiben wir auf dieser Seite des Neckars und setzen unsere Fahrt am rechten Ufer des Neckars fort. Dazu müssen wir aber erstmal das Zementwerk passieren (Oskar-v.-Miller Straße). Wir folgen dem Wegweiser des Radweges durch das Werk. Das Zementwerk ist Werktags von 6.00 bis 18.00 Uhr, Samstags von 6.00 bis 16.00 Uhr und Sonntags von 6.00 bis 21.00 Uhr passierbar. Wenn es zeitlich nicht passt, kann man immer noch auf den Neckarradweg ausweichen.

Die Tour nach dem Zementwerk ist ein absoluter Traum. Am Neckar führt der Weg fast menschenleer direkt an den Weinbergen entlang. Diesen Abschnitt sollte man genießen, weil sich ab Heilbronn das Bild schlagartig ändert.Industrie dominiert wieder das Bild! Mittlerweile sind wir auch wieder, kurz vor Heilbronn, auf den Neckar-Radweg gestoßen. Entgegen der bisherigen Tour zeigt sich der Weg hier ein wenig lieblos angelegt. Unsere Augen suchen nach einem Highlight, aber verlieren sich in Industrieanlagen oder wenig spektakuläre Hausfassaden. Hier wird auch unter den Radlern nicht mehr so viel gegrüßt, wie wir es bis jetzt am Neckar kennengelernt hatten. Die Summe aus allem ist wohl die Erklärung dafür, dass wir Heilbronn nicht besucht haben. Dabei hört sich der Name so schön an...



Es dauert einige Zeit, aber dann wird das Bild wieder ländlicher. Das Neckartal ist breit und der Neckar ebenso. Weinberge gibt es hier nicht mehr, dafür wird es wieder waldiger. Nach langer Zeit erblicken wir wieder ein echtes Highlight: Bad Wimpfen und den unverkennbaren Blauen Turm. Das schöne Städtchen liegt weit oberhalb des Neckars und ist nicht direkter Bestandteil des Neckarradweges, weshalb wir kurzfristig den Neckarradweg verlassen werden. Wir folgen den Wegweisern die zur Stadt weisen und schrauben uns stetig den Berg hoch. Uns erwartet ein malerisch schöner historischer Stadtkern mit vielen kleinen Gassen. Natürlich besuchen wir das Wahrzeichen der Kurstadt, den weithin sichtbaren blauen Turm mit einer Höhe von 58 Metern. Gegen ein Entgelt ist der Aufgang des Burgfriedes möglich, der etwa im Jahre 1200 erbaut wurde. Nicht weit entfernt vom blauen Turm finden wir den roten Turm, der als letzte Zufluchtsstätte für den Burgherrn gebaut wurde. Unmittelbar daneben steht das Nürnberger Häuschen. Doch schon der Gang durch die Gassen des historischen Stadtkerns mit seinen vielen Fachwerkhäusern ist ein Genuss.

Weiter geht es mit den Rädern am alten Friedhof vorbei. Ein schmaler Weg führt hier abwärts zum Neckar. Ein Heidenspaß! Man sollte allerdings Vorsicht walten lassen. Zum einen sind hier natürlich Wanderer und Fußgänger unterwegs, zum anderen findet sich hier in der Mitte etwa eine Treppe! Am Neckar angelangt setzen wir unsere Fahrt auf dem Neckarradweg fort. Die Fahrt gestaltet sich sehr angenehm. Der Weg führt leicht vom Neckar weg in Richtung Neckarmühlbach. Von oben grüßt die Burg Guttenberg ins Tal, eine Aufforderung, der wir gerne nachkommen! Wir verlassen wieder den Neckar-Radweg und schrauben uns etwas über 60 Höhenmeter hinauf zur spätmittelalterlichen Burg. Die Burg wurde nie zerstört und ist seit etwa 800 Jahren ständig bewohnt - die Burg präsentiert sich in einem wirklich erstklassigen Zustand! In der Burg ist die deutsche Greifenwarte, ein Restaurant und das Burgmuseum untergebracht. Um einen Blick in das Burgmuseum werfen zu dürfen, ist allerdings ein Eintrittsgeld zu entrichten.



Wir fahren einen Teil der Asphaltserpentine, die uns nach oben gebracht hat, wieder hinunter. Wir bleiben diesmal aber auf der Burgstraße, die uns direkt nach Neckarmühlbach führt und uns letztendlich wieder auf den Neckarradweg ausspuckt. Wir passieren Haßmersheim, wo auf der anderen Seite des Neckars hoch oben die Hornberg thront. Auch wir müssen auf die andere Seite des Neckars! Die Schleuse, die wir für den Übergang des Neckars nutzen, ist allerdings nur über Treppen passierbar. Am Neckar entlang erreichen wir Neckarelz und folgen dem Radweg entlang der Elz nach Mosbach.

Die Stadt Mosbach liegt relativ weit abseits des Neckarradweges. Wir haben so viel gutes von Mosbach gehört und gelesen, dass wir diesem Städtchen im Odenwald unbedingt einen Besuch abstatten wollten. Mosbach wurde somit zu unserem Nachtquartier auserkoren. Die Innenstadt präsentiert sich mit sehr schönen alten Fachwerkhäusern. Unbestritten ist Mosbach eine sehr schöne Stadt, allerdings will hier bei uns der Funke der Begeisterung nicht überspringen.

Es ist 19.00 Uhr und wir erreichen das Hotel...

Auszug aus dem Buch "Bezaubernder Neckar - Die Fahrrad-Erlebnistour - Auf Radwegen von Villingen bis Mannheim" von Andreas Waldera (ISBN 978-3-8423-4636-9). Erschienen 2011 bei BoD, Norderstedt.

Fotos: Copyright (c) Andreas Waldera