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BREMBO Bremsen - Test Prototyp - Auf der Lauer
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Es gleicht einem Puzzle. Es sind noch keine Details erkennbar, dennoch ist das Gesamtbild schon visuell in Gedanken erfasst. So ist es auch bei angekündigten Neuheiten der Industrie, ganz gleich in welcher Branche. Nur wenig Informationen dringen ans Gehör der eventuell späteren Konsumenten. Sicherlich auch Absicht der Industrie. Gerüchte schaffen Platz für Ideen und Wünsche, das Produkt kommt ins Gespräch. Besser und billiger kann eine Werbung eigentlich nicht sein. Nur wenige Menschen haben das Glück, sich vorab ein klares Bild des noch als Prototypen im Test befindlichen Materials zu machen. So macht im Moment Bremsenhersteller Brembo aus Italien, weltweit die Nummer 1 bei Bremssystemen für Auto und Motorrad, auf sich aufmerksam. Seit 1961 entwickelt und produziert Brembo Bremsanlagen und Zubehör, und der Erfolg ist beachtlich. Neben dem Einsatz von Brembo Bremssystemen in der Serienproduktion, finden sich Brembo Bremssysteme auch in internationalen Serien wie zum Beispiel der NASCAR und Formel 1. Die Ankündigung der Entwicklung einer Bremse für das Mountainbike lässt die Biker aufhorchen. Dementsprechend hoch sind natürlich die Erwartungen an solch eine Bremse. Die Fraktur hatte das große Glück, zusammen mit dem Team des Fahrradgeschäfts und Fachwerkstatt watzup in Duisburg und Oberhausen, sich den Prototyp dieser Bremse genauer anzuschauen.

Die Brembo fällt durch ihr sehr voluminöses Auftreten auf. Nicht nur der Bremssattel, sondern auch die kunststoffummantelte Stahlflexbremsleitung mit den verpressten Anschlüssen und die Handbremszylinder, fallen durch eine sehr großzügig gehaltene Bauweise auf. Die Bremse kann die Verwandtschaft zu den Bremsen eines Motorrads nicht verleugnen. Die Bremsleitung soll nach unseren Informationen noch nicht die endgültige sein, was wir aber bedauern würden. Die Handbremszylinder sind beim Prototypen, wie auf den Bildern erkennbar, noch unterschiedlich. Beide Ausführungen der Handbremszylinder haben einen riesigen Ausgleichbehälter. Die Verstellschraube zum Einstellen des Bremshebels ist einfach und ohne Werkzeug erreichbar und einstellbar. Wie gesagt, die Verwandtschaft zum Motorrad lässt sich nicht abstreiten. Wie weit sich die Serie noch von dem Prototypen wegbewegt, bleibt abzuwarten. Endgültig sollen aber die Bremssättel sein. Bei der Zweikolbenbremsen fällt vor allem die Befestigung der Bremsklötze auf, die nach dem Vorbild beim Motorrad, wie sollte es anders sein, per Sicherungssplint gehalten werden. Somit entfällt das lästige Ausbauen des Bremssattels zum Wechseln der Belege. Die gelochten 200mm Bremsscheiben sind, auch wenn wir uns hier wiederholen müssen, wie beim Motorrad schwimmend gelagert. Die Verarbeitung der einzelnen Komponenten sind sehr gut und eher überdimensioniert als zu schwach ausgelegt. Die Zielgruppe scheint dadurch klar definiert zu sein: schnelle, schwere Bikes im Bereich Hardcorefreeride und Downhill.

Mit einem Gewicht für die komplette montierbereite Bremsanlage, inklusive Bremsschläuche und Bremsflüssigkeit, von etwa 1500 Gramm ist die Brembo kein Leichtgewicht. Es ist aber davon auszugehen, daß sich das Serienmodell vom Gewicht tendenziell nach unten bewegen wird. Das Bremsverhalten der Brembo ist sehr gutmütig und gut dosierbar. Der Bereich des Schleifenlassens der Bremse bis zum gewollten Blockieren ist klar definiert. Die Befürchtung, die Bremse wäre durch ihr immens wirkendes Äußeres auch brutal im Handling, hat sich nicht bestätigt. Negativ auffallend waren die relativ hohen Handkräfte, die benötigt werden, wenn man sich mit der Bremse am Limit bewegt. Gerade bei langen Abfahrten fällt dies besonders ins Gewicht. Aber auch hier gehen wir davon aus, das eine Überarbeitung des Handbremszylinders Abhilfe schafft. Die Brembo vermittelte während des Tests stets ein gutes Gefühl der Sicherheit und verschonte Ohren und Nerven von lästigem Quitschen und Knarren, wie man es von anderen namhaften Bremsen kennt. Laut unseren Informationen soll die Serie limitiert werden, man munkelt von 300 Stück pro Jahr, und der Preis pro Einzelbremse solle sich um die 500 Euro bewegen. Da die Brembo über den internationalen Standard verfügt, ist eine Montage ohne Haareraufen möglich. Letztendlich bleibt aber die Serie abzuwarten und eine offizielle technische Dokumentation.

Waldy
(29.08.2004)