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Hot Chili Zymotic - Bis das der Tod uns scheidet
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In einem kleinen Ort im Süden Deutschlands trotzt eine Bikeschmiede der Übermacht aus den USA. Benannt nach der Lieblingsmusikgruppe der Gründer, ist Hot Chili heute eine der renomiertesten deutschen Bikehersteller. Seit der Gründung 1994 verfügt Hot Chili derzeit über eine breite Produktpalette, die vom Rennradfahrer über den Dirtfreak bis zum Worldcup-Downhiller jeden Biker anspricht. Da wir uns neben diversen Biketests zusätzlich auf einen Alpencross vorbereiten mußten, ist unsere Wahl auf das Zymotic "Pro" gefallen. Ein kompromissloses Crosscountrybike, mit dem man perfekt viele Kilometer und Höhenmeter abreißen kann.

Rund um den leuchtend gelben Rahmen, wird das Bike durch eine Shimano XT-Ausstattung, Manitou Black Platinum Gabel, Magura Louise Bremsen, Michelin WG Competition S Reifen und Hot Chili Komponenten artgerecht und hochwertig abgerundet. Die Manitou Gabel folgt dem Rock Shox U-Turn Patent und ist per Knopfdreh von 90 mm - 120 mm stufenlos einstellbar. Auch die Druckstufe und die Lock-Out Funktion sind werkzeugfrei und leichtgängig zu betätigen. Ein geringes Losbrechmoment und progressive Dämpfung gibt es gratis dazu.

Der Antrieb ist eine wahre Freude! Die leichte Laufradkombination aus Mavic223 Felgen, DT Comp Speichen und DT Onyx Naben in Verbindung mit der 3x9 Shimano XT Inversschaltung und den HollowTech-Kurbeln ermöglichen eine Beschleunigung, daß es einem das Hirn im Hinterkopf staucht und lassen präzises Schalten zu einem Luxus werden, den man nicht mehr missen möchte. Auch wenn es so richtig dreckig wird, kann man sich auf präzise Gangwechsel und hemmungsloses Wiegetrittfahren verlassen, ohne Angst haben zu müssen, daß die Kette springt. Einzig die Reifen unterstützen auf losem Untergrund und in Kurven nicht den Grip, dem das Zymotic locker gewachsen wäre, auch nicht mit niedrigem Reifendruck.

Dafür glänzen die Michelin mit einem sehr niedrigen Rollwiederstand. Die Geschwister Louise der Firma Magura sorgen mit gewohnt guter Dosierbarkeit dafür, daß man bei jeder Witterung wieder schnell zum Stillstand kommt. Auch die Hot Chili eigenen Komponenten wie Sattel, Sattelstütze, Lenker, Vorbau und Griffe glänzen durch Funktionalität und Haltbarkeit. Das Markenzeichen der Kultschmiede dominiert überall: Von den Ventilkappen über Lenker und Vorbau bis zu den überlackierten Aufklebern. Auffallen ist garantiert!

Die ersten Teststunden in der Vulkaneifel vielen sehr positiv aus. Das Zymotic klettert die Berge sehr gut bergauf. Auch in steilerem Gelände verliert das Vorderrad beim Antritt nicht den Kontakt zum Untergrund. Da wir verwöhnt sind von Rahmen mit hoher Tretlagerhöhe, ist es für uns zunächst ungewohnt, daß man in Kurven schnell mit der Pedale aufsetzt. Ebenso verhält es sich beim Fahren auf Singeltrails mit einer seitlichen Böschung. Dazu sollte aber erwähnt werden, daß wir zum Test Shimano DX Plattformpedalen montiert hatten. Clickpedalen, die entsprechend kürzer in der Bauform sind, würden dies wieder ausgleichen.

Auch auf Abfahrten macht die gutmütige Chilischote einen guten Eindruck. Trotz der 20,5" Rahmenhöhe ist das Zymotic erstaunlich wendig, ohne bei schnelleren Abfahrten nervös zu werden. Die gut abgestimmte Gabel gibt ihr übriges dazu. Das konifizierte 7020 Custom made Aluminium, ein Gusset am Übergang Unterrohr/Steuerrohr und das XXL Leichtmetallblech zwischen den Sitzstreben - extravagant perfektioniert mit den gekreuzten Chilischoten - sorgen selbst im Wiegetritt für einen verwindungssteifen Rahmen.

Nach vielen weiteren Einsätzen und Kilometern unser erstes Resumee: Bis dahin perfekt. Soviel wir auch überlegten, wir konnten keine negativen Punkte festhalten. Aufgrund dieser Begeisterung sollte die nächste Testphase in der sonnigen Provence in Frankreich erfolgen. Umfangreiche Tests in den Bereichen Tour, Crosscountry und Marathon sollten unter Frankreichs Sonne stattfinden. Hier bestätigte sich der Eindruck der ersten Testphase. Der S-Bend Hinterbau ist, wie der restliche Rahmen auch, absolut verwindungssteif. Doch dann passierte etwas, womit niemand gerechnet hatte...

Nachdem der Rahmen ein paar Kilometer knarrende Geräusche von sich gegeben hatte, vermuteten wir erst ein loses Innenlager oder ähnliches. Beim notwendigen Halt, um der Ursache auf den Grund zu gehen, brach das Unterrohr durch die kurzzeitig einseitige Belastung des Absteigens komplett durch. Ein Schock, nachdem das Zymotic bis zu diesem Zeitpunkt nur positiv aufgefallen war. Der Test war an dieser Stelle jedenfalls beendet. Die genaue Ursache zu klären, weshalb der Rahmen gebrochen ist, liegt nicht unserer Macht. Da das Bike ausschließlich beim Crosscountry eingesetzt wurde und weder Kanten noch Sprünge über sich ergehen lassen mußte, schließen wir eine Überbelastung durch unreale Testbedingungen aus. Da der Bruch im Rohr stattfand und nicht an der Schweißnaht, würde unsere Vermutung in Richtung eines Materialfehlers im Rohr gehen.

Letztendlich bleibt die letzte Klärung der Ursache Hot Chili überlassen. Wir werden, sobald uns eine offizielle Stellungnahme von Hot Chili vorliegt, diese unverzüglich veröffentlichen. Ein Defekt, der sicherlich auch für den Hersteller sehr überraschend war. Das Zymotic wird bereits seit vielen Jahren von Hot Chili angeboten und mußte bereits diverse Tests über sich ergehen lassen. So findet sich zum Beispiel auf der Webseite von EFBe Prüftechnik GmbH ein Prüfbericht, wo verschiedene MTB-Rahmen in einem Prüflabor einem Ermüdungstest unterzogen wurden. Dort bestand das Zymotic die Kriterien für die Einstufung in die höchste Leistungsklasse "Top Performance Sportframe".

Fazit:
Reinrassiger Crosscountry-Racer der Extraklasse. Ein Bike für Biker, die Wert auf hochwertige Technik, Funktionalität und Prestige legen. Technisch sowie optisch ein außergwöhnliches Bike. In unserem Fall leider mit jähem Testende. Das Zymotic trägt wie alle Hot Chili Rahmen das Prädikat: „Handmade in Germany“.

Preis: Je nach Ausstattung kostet das Bike zwischen 1866,- und 3686,- Euro

Mehr Infos unter www.hot-chili.com

Markus
(26.06.2005)