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Univega Alpina HT-570 - Alle guten Dinge sind drei?!
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Das Dreieck symbolisiert Dynamik und Stabilität. Die meisten von uns benutzen fast tagtäglich dieses Gebilde zum Ausüben ihres Lieblingshobbies. Wer sich einen herkömmlichen Fahrradrahmen, sprich Diamantrahmen, genauer anschaut, wird feststellen, daß sich der Rahmen aus einer Kombination aus einem Dreieck für den Hinterbau und einem Trapez für den Vorderbau zusammensetzt. Verlängert man virtuell die am Steuerrohr endenden Rohre des Trapezes, würde sich wiederum ein Dreieck ergeben. Das Dreieck gilt als die stabilste geometrische Figur, und nicht zuletzt bestätigt sich das auch im Fahrradrahmenbau.

Univega geht hier aber noch einen großen Schritt weiter. Bei einigen Modellen verläuft das Unterrohr und Oberrohr, zum Steuerrohr hin dreieckig werdend, in eine in das Steuerrohr integrierte Torrosionsbox. Hört sich kompliziert an, sieht aber sehr beeindruckend aus. Diese Technologie bezeichnet Univega als Deltabox, die extreme Steifigkeit und Stabilität bei niedrigem Gewicht garantieren soll. Das Univega Alpina HT-570 wartet mit solch einem Deltabox Rahmen auf. Anhand des Alpina HT-570 wollten wir wissen, ob alle guten Dinge nun wirklich drei oder gar dreieckig sind.

Nicht nur die Frontpartie des Univega Alpina HT-570 fällt auf. Als Hinterbau setzt Univega einen sogenannten Tormostay Hinterbau ein. Dabei handelt es sich um einen Hinterbau mit verkürzten Sitzrohren. Diese Technologie soll mehr Steifigkeit bringen, um die Pedalkraft noch besser auf das Hinterrad zu übertragen. Der dreifach konifizierte Rahmen aus Fastrax 7005 Aluminium überzeugt durch gute und saubere Verarbeitung. Die Ausfallenden sind ebenso lobenswert zu erwähnen wie die Montagesockel zur Verlegung von Bremsschläuchen, für einen eventuell späteren Einsatz von Scheibenbremsen.

Univega führt das Alpina HT-570 in der Rubrik der Race- und Marathonbikes. Und in diesem Bereich fühlt sich das HT-570 trotz seiner etwa 12,5 Kilogramm pudelwohl. Das Bike fährt sehr agil mit einer bemerkenswerten Laufruhe. Beeindruckend ist vor allem das Fahrverhalten im Grenzbereich. Es macht teuflisch Spaß, das geniale Driftverhalten des Univega auszukosten. Man wünscht sich fast schon Regen herbei, um in schlammigen Kurven kontrolliert über die beiden Räder zu rutschen. Das Bike läßt sich dabei hervorragend manövrieren und kontrollieren, nicht zuletzt auch wegen des, für den gedachten Einsatzbereich untypischen, gekröpften Lenkers.

Auch das Kletterverhalten des Univega ist erstklassig. Selbst bei steilsten Anstiegen behält man stets die Kontrolle über das Bike. Bequem im Sattel sitzend kurbelt man so mancher Konkurrenz lässig davon. Die Nase des HT-570 zeigt dabei kaum Tendenzen zum Steigen. Die Traktion des Univega ist, trotz der gerade bei Nässe relativ schwachen Continental Vapor Pro, sehr gut. Hier zeigt sich das gutmütige und ausgewogene Fahrwerk des HT-570 als Fels in der Brandung. Die Konstrukteure bei Univega haben ihre Hausaufgaben definitiv sehr gut gelöst. Tormostay, Deltabox und eine für XC und Marathon ausgelegte Geometrie verdienen höchstes Lob.

Als Federgabel wurde an dem Alpina eine Manitou Axel Elite TPC Air Assist verbaut. Als Gimmick bietet diese Gabel eine Remote Lockout-Funktion, das heißt die Gabel läßt sich per Schalter vom Lenker aus blockieren. Allerdings erwies sich der Einsatz in der Praxis als nicht unbedingt funktionell. Die Blockierung klappt ohne größeren Kraftaufwand und bequem mit dem Daumen, das Lösen der Blockierung erfordert aber einen recht hohen Kraftaufwand. So muß man die linke Hand vom Lenker nehmen, um den Schalter der Fernbedienung kräftig zu betätigen. Zudem funktionierte das Lösen der Blockierung nicht immer auf Anhieb, welches bei Einsätzen im wilden Gelände für etwas Unmut sorgte. Die Remote Lockout-Funktion hat aber noch einen weiteren, nicht besonders schönen Nachteil.

Wenn der Lenker zum Beispiel durch einen Sturz umschlägt, hinterläßt der Aufsatz für die Fernbedienung unschöne Macken im Unterrohr. Wer den Lack schonen will, sollte hier auf jeden Fall vorab eine Schutzfolie aufkleben. Die Funktion der Manitou Axel Elite TPC Air Assist kann man als recht gut bezeichnen. Das Univega Alpina HT-570 harmoniert hervorragend mit der sehr straff abgestimmten 80mm Federgabel. Die Gabel ist im Gegensatz zu den meisten Federgabeln mit sehr viel Zugstufe ausgestattet. Diese läßt sich zudem auch noch, bedienerfreundlich durch einen Verstellknopf unten am rechten Tauchrohr, erhöhen. Was andere Federgabeln zu wenig an Zugstufe bieten, hat die Axel Elite am Univega schon fast zu viel. Dieser Eindruck wird bei kalten Witterungen noch verstärkt.

Downhillpassagen mag das Alpina nur Maßen, die straffe Federung der Manitou trägt ihren Teil dazu bei. Das HT-570 will durch den Wald gejagt werden, über Singletrails gleiten und den Biker zu weiten Touren und Marathons verleiten. Der Lenker sorgt dabei für eine entspannte, aber dennoch sportliche Sitzposition. Nicht nur der Lenker, sondern auch die schnell verstellbare Sattelstütze und der Vorbau stammen von Ritchey. Tadel verdienen die an dem HT-570 verbauten Lenkergriffe von Ritchey. Die Ritchey's rutschen. Zu oft führen diese bei nassem Wetter ein Eigenleben und riskieren ein Abgleiten vom Lenker. Vielleicht sollten die Bikehersteller zu Lenkergriffen greifen, die am Lenkerende geschlossen sind. Diese erweisen sich in der Praxis meist als bessere Wahl.

In Sachen Schaltung vertraut Univega beim HT-570 völlig auf die Schaltgruppe Shimano Deore LX. Umsteiger von alten Shimano Standardkomponenten werden sich zum Teil etwas umgewöhnen müssen, da die Deore LX mittlerweile mit der gleichen Funktionstechnik wie die Deore XT und XTR arbeitet. Auch bei der Kurbelgarnitur entschied man sich für Shimano Deore LX mit Hollowtech-II-Kurbeln. Lediglich die Bremsen kommen von der Konkurrenz. Als Bremse und Bremshebel wurden Avid Single Digit 7 verbaut. Diese erfreuten im Test durch akzeptable Verzögerungswerte, wobei der Bremse allerdings etwas mehr Biß stehen würde. Typisch für eine Felgenbremse leidet aber auch die Avid unter der schlechter werdenden Bremsleistung bei Schlammfahrten und bei Nässe. Die Felgen stammen von Alex. Die recht schmalen Alex XT 16 Felgen sind für Crosscountry und Marathon ausreichend, eine harte Gangart vertragen die Alex aber nur bis zu einem gewissen Grad. Die Felgen von Alex gehen als Standardausrüstung genauso in Ordnung wie die Pedalen von Wellgo, welche später sicherlich den Vorlieben des Bikers weichen müssen.

Selbst nach vielen Einsätzen erfreut sich der Besitzer des Alpina an der guten und robusten Lackierung. Das serienmäßige Verhüterli im Bereich der Kettenstrebe, eine aufgeklebte Schutzfolie, bietet zusätzlichen Schutz vor der schlagenden Kette. Trotz des harten Einsatzes trug das HT-570 nur sehr wenige kleine Macken davon. Die kleinen Scheuerstellen im Bereich der Schalt- und Bremszüge könnten im Vorfeld durch Aufbringen einer Schutzfolie verhindert werden. Sehr aufmerksam wurde während unserer Fahrten das sehr voluminös wirkende Steuerrohr des HT-570 von vielen Bikern begutachtet, das fast wie ein Steuerrohr für die Aufnahme einer 1point5 Federgabel wirkt. Der Grund liegt in dem integrierten Steuersatz und der Deltabox Technologie. Die von vorne sichtbare Carboneinlage am Steuerrohr dient aber lediglich als Blickfang.

Fazit:
Ein unglaublicher Vortrieb mit einer bemerkenswerten Laufruhe zeichnen dieses Bike aus. Selbst Tourenmuffel kommen mit dem HT-570 auf den Geschmack. Das Sprichwort stimmt: Alle guten Dinge sind drei! Technologie, die begeistert :-)

Farbe: Stratos Blau
Preis: 1299 Euro
Gewicht: etwa 12,5 kg

Mehr Infos unter www.univega.com

Waldy
(03.04.2005)