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CMP Speedfire - Zurück in die Zukunft - Test
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Was waren das damals für hitzige Diskussionen! Die Schwinge des Eingelenkers könne den Belastungen beim Downhill nicht standhalten. Und wenn die Schwinge doch halten würde, wäre es mit Sicherheit der Tod des Dämpfers. Die Querbelastungen des Dämpfers eines nicht abgestützten Eingelenkers, würden langfristig jeden Dämpfer plätten. So war es aus allen Ecken von den Theoretikern zu vernehmen. Nicht ganz zu unrecht. Wenn man sich heute das CMP Speedfire anschaut, erinnert man sich zwangsläufig an die damaligen Aussagen der Theoretiker. Diese bezogen sich aber auf ein komplett anderes Bike: Das Hot Chili Warp 210. Der flache Lenkwinkel und die Sitzposition weit über dem Hinterrad, gepaart mit für damalige Verhältnisse unglaublichen und allesschluckenden 210mm Federweg, waren revolutionär und wegweisend zugleich.

Der Vergleich des Warp 210 mit dem CMP Speedfire kommt nicht von ungefähr. Fast könnte man meinen, Peter Denk, der damalige Entwickler und Hot Chili Chef, hätte bei der Entwicklung des CMP Speedfire seine Finger mit im Spiel gehabt. Beim Speedfire fällt direkt die megaphatte Schwinge auf, welche sich um ein nicht weniger phattes Industrielager dreht. Wie schon beim Warp, haldelt es sich beim CMP Speedfire um einen konventionellen Eingelenker ohne Abstützung. Auffallend ist, wie schon beim Warp, der recht flache Lenkwinkel und die Sitzposition weit über dem Hinterrad. Die lange Schwinge, der X-Fusion Vector PVA Dämpfer und die Marzocchi Bomber 66 RC verleihen dem Speedfire eine markante und aggressive Optik.

Mit knapp 20 Kilogramm ist das Speedfire kein leichter Brocken. Trotz des relativ hohen Gewichts und dem flachen Lenkwinkel von etwa 68 Grad bleibt das CMP überraschend handlich. Das lange Oberrohr und die Sitzposition bescheren dem Knie, beim Pedalieren im Sitzen, genug Freiraum. Dennoch sollte man sich durch die Längenangaben des Oberrohrs nicht täuschen lassen. Die Anordnung des Tretlagers scheint uns etwas unglücklich zu sein. Im Stehen verlagert sich der Schwerpunkt des Bikers stark zur Front des CMP. Zusätzlich stößt man beim Wiegetritt gerne mal mit dem Knie oder Oberschenkel an den Lenker. Wir vermuten hier die Ursache für die bei sehr ruppigen Abfahrten auftretende Unruhe des CMP. Trotz einer perfekt arbeitenden Marzocchi 66 RC, die entgegen der Werksangaben von 170mm Federweg an unserem Speedfire mit 150mm Federweg ihren Dienst versah.

Kanten können das CMP Speedfire allerdings nicht aus der Ruhe bringen. Mit einem lauten Schmatzer quittiert das Fahrwerk, mit immerhin 170mm Federweg hinten, hohe Drops und Gaps nach dem Motto: "War da was?". Bis auf die auftretende Unruhe bei sehr ruppigen Abfahrten funktioniert das Speedfire tadellos. Das Ansprechverhalten des Hinterbaus und der Gabel sind als gut bis sehr gut zu bewerten. Verwundert ist man über die Kletterfähigkeit des Speedfire. Die Verwendung zweier Kettenblätter, mit 22 und 38 Zähnen, ermöglichen sogar die Fahrt bergauf. Somit sind auch Abfahrten möglich, wo der Shuttleservice zu lange auf sich warten lässt oder gar nicht erst vorhanden ist. Die Versteifung des Hinterbaus mit der einstellbaren Kompression des Dämpfers unterstützt die Kletterfähigkeit, auch wenn das Vorderrad bei Kletterpartien schnell leicht wird. Das durchgehende Sitzrohr ist ein nicht unerheblicher Pluspunkt des Speedfire.

Die CMP Plattformpedalen sind für uns erste Wahl. Auch bei der Bereifung und den Felgen ließen sich die Entwickler von CMP nicht "lumpen". Die Kenda Nevegal in der Größe 2.5, aufgezogen auf Sun Rims Double Track SL1, sorgen vor allem bei trockener Witterung für genialen Grip. Grip, den man allerdings auch auf normalen Tretpassagen und bei Touren merkt. Hier gestaltet sich das Vorankommen mit den Kenda Nevegal als sehr mühselig. Im weiteren Verlauf des Tests montierten wir die etwas besser rollenden Big Betty von Schwalbe in der Breite 2.4, womit wir die Alltagstauglichkeit des CMP merklich verbessern konnten.

Die am Speedfire verbauten Komponenten erwiesen sich im Test als extrem zuverlässig. Die Kurbeln, Vorbau und Lenker von CMP können ebenso überzeugen wie die XT-Schaltung, samt Umwerfer, von Shimano. Die Hayes Nine und die 203mm Bremsscheiben halten das Speedfire konsequent und perfekt dosierbar im Griff. Selbst bei den Schläuchen geht CMP auf Nummer sicher und spendierte dem Speedfire Downhillschläuche von Kenda. Platten waren bei uns im Test Fehlanzeige. Die Einstellung des CMP Speedfire an die persönlichen Bedürfnisse lässt sich perfekt vornehmen. Die Marzocchi 66 RC als auch der X-Fusion Dämpfer lassen sich gut abstimmen. Wie bei allen Fullys sollte natürlich auch beim Kauf des CMP auf die richtige Federhärte geachtet werden. Das hohe Tretlager lässt Bodenkontakte, selbst bei kurvigen Tretpassagen, kaum zu. Die Qualität der Lackierung ist erstklassig. Selbst die wild umherfliegenden Steine auf den französischen Downhills hinterließen keine Spuren auf der Lackierung.

Ein weiterer Clou des CMP ist der Rockring. Bei Trailpassagen schützt dieser wirksam vor Beschädigung des Kettenblattes. Die von Theoretikern gerne bemerkten Äußerungen über die Eingelenker hinsichtlich der Stabilität von Schwinge und Lager, sowie der extremen vertikalen Belastung des Dämpfers, können wir nach dem Test für das Speedfire dementieren. Die sehr steife Schwinge des CMP hielt und gab keinerlei Grund zur Sorge. Dies zeigt sich auch beim Dämpfer, den selbst der harte Test nichts anhaben konnte. Lediglich bei Ausnutzung des kompletten Federweges, zum Beispiel bei Gaps und Drops, schleift der Reifen am Sitzrohr und hinterlässt hässliche Schleifspuren.

Nein, man kann es wahrlich nicht mit dem Warp vergleichen. Das CMP Speedfire ist wendig, und mit den richtigen Reifen ausgestattet sogar einigermaßen tourentauglich. Eigenschaften, die dem Warp nicht eigen waren. Die Zuverlässigkeit und Funktion des CMP Speedfire konnten uns ebenfalls überzeugen.

Fazit:
Ein verdammt phattes Bike zu einem verdammt günstigen Kurs! Die verbauten Komponenten und der Rahmen überzeugen in fast allen Belangen. Lediglich der bei Ausnutzung des kompletten Federwegs schleifende Reifen am Sitzrohr, sowie die bei sehr ruppigen Abfahrten auftretende Unruhe des Fahrwerks, geben uns Grund zur Kritik.

Preis: 1999 Euro
Gewicht: 19,8 Kilogramm

Vertrieb:
Teikotec Bike Trading GmbH
Robert-Bosch-Straße 6, 56727 Mayen

Mehr Infos unter: www.chaka.de

Waldy
(16.01.2006)