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Santa Cruz VP-Free - Der Freerider im Test
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Wie heißt es doch so schön, man lernt nie aus...
Nun war es wieder so weit, wir wurden eines Besseren belehrt mit einem positiven Ausgang! Freeriden ist ein sehr dehnbarer Begriff geworden. Man kann nicht wirklich genau sagen, was es nun bedeutet. Während man beim Downhill und Cross Country noch genau sagen kann, was man in dieser Sportart macht und worum es dabei geht, ist es beim Freeriden ganz anders geworden. Jeder hat seine eigene Meinung was für ihn Freeriden bedeutet. Für mich bedeutet Freeriden stressfrei viel Spaß haben und mit dem Rad in jeder Hinsicht überall hin zu kommen, egal ob Uphill, Downhill oder im Flachen zu fahren - alles soll machbar sein.

Man macht sich mit der Zeit so seine Gedanken wie ein Rad aussehen sollte für einen bestimmten Einsatzzweck. Irrtümlich meint man dann, dass es anders nicht geht... und genau das wurde bei diesem Test nun völlig widerlegt. Als das Santa Cruz VP-Free so vor einem stand, war der erste Gedanke: "Ist das Fett! Das kann doch kein Freerider sein! Das ist eindeutig ein Downhiller! So wie das Santa Cruz aussieht, hat es etwas zuviel Anabolika zu sich genommen!" Vorne eine FOX 40 RC2 mit 200 mm Federweg, hinten 215 mm Federweg, die von einem FOX DHX 5.0 Dämpfer unter Kontrolle gehalten werden, fette Kenda Kenetics E-Stick in der Größe 26x2.60 auf stabilen Laufrädern bestehend aus SUN Single Track mit ST Hardride Naben.

Den Zutaten nach zu urteilen spricht alles für einen Downhiller und nicht für einen Freerider. Sollte man sich so getäuscht haben? Nur die Praxis kann die Wahrheit ans Tageslicht bringen! Also ran an die Arbeit: Das Rad einstellen und sich wieder mit der nervenden Einstellung des Fahrwerks beschäftigen. Wenn man so hochwertige Federelemente zur Verfügung hat, sollte man sich damit ausgiebig befassen. Viele unterschätzen diese Arbeit leider zu sehr und können das Potenzial nicht voll ausnutzen. Ich gebe zu, dass ist eine ordentliche Fummelei, aber es macht sich bezahlt. Natürlich sind wir gespannt wie das Santa Cruz sich auf den Trails, sowohl hoch als auch runter, schlägt.

In der Ebene merkt man nichts von den 215 mm Federweg hinten, wir fuhren es mit ca. 40 Prozent Sag. Im Sitzen ist der Hinterbau sehr ruhig und sehr angenehm leicht zu fahren, man sitzt sehr enspannt und aufrecht auf dem Rad. Leichte Anstiege konnten Dank der zwei Kettenblätter an den Truvativ Holzfeller Kurbeln gut und recht leicht erklommen werden. Ein kleineres Kettenblatt vorne hätte den einen oder anderen steileren Anstieg allerdings wesentlich erleichtert. Bei der Abfahrt verhält sich das Santa Cruz sehr ruhig, es ist recht ausgewogen und neutral, in der Luft lässt es sich sehr gut handeln und fühlt sich weder front- noch hecklastig an. Was mit dem Tempo nicht mitkommen konnte, waren die Hayes Bremsen in Verbindung mit Avid Bremsscheiben. Ich war bisher immer zufrieden mit der Leistung der Hayes, aber irgendwie steckte in dieser Bremse der Wurm drin.

Das Bike lässt sich sehr gut beschleunigen. Nie hatte man den Eindruck, dass man zuviel Kraft ins Fahrwerk pumpen würde. Auch das Rausbeschleunigen aus Kurven und Anliegern ging sehr gut. Die montierten Kenda Reifen haben einen großen Einsatzbereich. Sie sind zwar nicht überall gut, aber dafür kann man sie für vieles nutzen. Auf dem hauseigenen Downhill merkte man aber dann doch den Unterschied zwischen einem reinem DH-Bike und dem Santa Cruz. Das Tretlager ist etwas höher als beim DH-Bike, wodurch es sich etwas unruhiger in Kurven und im Lenkverhalten anfühlt. Allerdings eine Sache der Gewohnheit, an die man sich schnell gewöhnt. Leider hatten wir öfters das Problem, dass sich die Kette verabschiedete. Eine schaltbare Kettenführung wäre perfekt gewesen und hätte den einen oder anderen Zwischenstopp vermieden.

Das Santa Cruz ist ein Rad, womit man richtig Gas geben kann, es ist aber auch bei bedeutend langsameren Fahrten in seinem Element. Jede Bewegung am Lenker oder jeder Körpereinsatz wird vom Santa Cruz direkt und sehr sauber, ohne größeren Nachdruck des Fahrers, umgesetzt. Man hat das Rad stets unter Kontrolle, das Fahrwerk hat Reserven ohne Ende. Sehr wichtig für einen Freerider ist eine Sattelstütze mit großem Einstellbereich und auch damit kann das Santa Cruz glänzen. Wenn man eine Tour antritt, dann Sattel hoch (ich weiß, das sieht uncool aus) und los...auch beim Uphill hat das nur Vorteile, man fährt bedeutend entspannter...wenn es dann bergab geht, Sattel runter...den man definitiv weit genug absenken kann!

Eigentlich findet man keine wirklichen Kritikpunkte an diesem Rad, es ist alles nur eine Frage was man daraus macht. Man könnte sagen, die Reifen sind zu schwer und rollen schlecht, aber dafür kann man ja leichtere Reifen montieren, was sicherlich die eine oder andere Tour bedeutend erleichtern würde. Oder die Gabel? Braucht man an einem Freerider vorne wirklich 200 mm Federweg? Sagen wir mal so, schaden kann es nicht. Unser Santa Cruz war zwar DH-lastig aufgebaut, aber das kann jeder für sich selbst entscheiden, wie er sein Santa Cruz aufbauen will und für welches Einsatzgebiet er das Bike nutzen möchte. Wir hatten einen Rahmen in der Größe M, der mir mit einer Körpergröße von 186 cm sehr gut passte. Den Rahmen bekommt man in 6 verschiedenen Pulverbeschichtungen, 2 anodized Farben und als Polished.

Fazit:
Das Santa Cruz VP-Free ist eine echte Allzweckwaffe. Das Rad hat sehr viel Spaß gemacht! In meinen Augen ist es ein Freerider, wie ich ihn mir vorstelle, obwohl ich das vorher anders gesehen hatte. Der Preis für den Rahmen mit FOX DHX 5.0 Dämpfer beträgt 2299 Euro. Das ist zwar eine Menge Geld, aber das ist sehr gut angelegt, wenn man ein Rad für viele Einsatzbereiche haben möchte. Wie schon gesagt, man lernt nie aus!

Vertrieb: Shock Therapy

Mehr Infos unter www.shock-therapy.de

Elton
(20.02.2008)