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Merida One-Five-O 3800-D - Das Enduro im Test
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Seit einer gewissen Zeit boomt der Markt im Bereich der MTB-Enduros und jeder Hersteller will natürlich ein Stück vom lukrativen Endurokuchen. Die Hersteller investieren deshalb in diesem Bereich viel Hirnschmalz und Hightech um möglichst viele Kunden zu gewinnen. Gerade diese Sparte im MTB-Bereich ist sehr schwer zu füllen, denn so einfach ist es nicht das perfekte Bike auf den Markt zu bringen. Die Preisspanne erstreckt sich über einen sehr großen Bereich von 1000 bis 7000 Euro und somit ist für fast jeden ein Enduro erschwinglich. Nun ja, unsereins muss sich zum Glück keine Gedanken machen wie man das perfekte Bike baut! Merida versucht in diesem Bereich auch etwas von dem Kuchen abzubekommen und wirbt mit dem One-Five-O um die Gunst der Kunden. Wir hatten das Vergnügen das Merida One-Five-O 3800-D ausgiebig zu testen. Das Bike kam in einer schlichten aber schönen weißen Rahmenfarbe in der Rahmengröße L (19 Zoll), was für meine Körpergröße von 186 cm sehr gut passte. Am Heck bietet das Merida 150 mm Federweg, daher auch der Name One-Five-O.

Die Austattung des Bikes ist vom Feinsten, die Schaltung ist komplett Shimano XT, die Federung kommt von FOX und verzögert wird mit der Magura Louise mit 200 mm / 180 mm großen Bremsscheiben. Das gesamte Bild des Bikes wirkt stimmig, der Rahmen ist ein Meisterwerk der Techniker, alles wirkt sehr durchdacht und genauestens überlegt. So wollen wir also die schöne Winterzeit nutzen, wo man nicht wirklich viel Zeit hat, ausgiebige Touren zu fahren oder sich an irgendeinem Spot mit seinem DH-Bike auszutoben. Hier kommt das Enduro voll zur Geltung, denn ein Enduro kann bekanntlich so gut wie fast alles. Nachdem das Fahrwerk grob eingestellt war, ging es auch schon los auf die Waldautobahn und dann rein in die schmalen Trails. Aber irgendetwas ist nicht so wie es sein sollte, das Bike fuhr sich zäh und bei der Abfahrt fühlte es sich sehr kopflastig an, auch der Sattel erwies sich als nicht wirklich komfortabel. Nach kurzer Zeit erfolgte der Abbruch der Ausfahrt, weil es einfach nicht mehr so weiter gehen konnte. Es stellt sich immer mehr Unzufriedenheit ein und der Funfaktor war gleich Null.

Wieder zu Hause angekommen war Ursachenbehebung angesagt und so wurden folgende Teile getauscht: Der Vorbau FSA OS-XT 110 mm lang wurde gegen ein kürzen Vorbau mit einer Länge von 60 mm getauscht, dadurch wurde die Sitzposition aufrechter und auf der Abfahrt war das Gefühl des Überschlages nicht mehr gegeben. Als nächstes musste der Fizik Gobi XM OE Sattel weichen, der unserer Meinung für so ein Rad überhaupt nicht geeignet ist. Man hat ständig das Gefühl, man sitzt auf einer Nussschale und rutscht auf dem Sattel nur hin und her. Hier sorgte dann ein einfaches Modell für Abhilfe. Zum Schluss mussten die Reifen weichen. Die Maxxis Minion DHF 26x2.35 sind auf der Abfahrt zwar top, aber auf einer längeren Tour saugen sie einem wegen des höheren Rollwiderstandes die Beine leer. Wir hatten uns dazu entschieden, die Schwalbe Big Betty in der harten Gummimischung zu montieren - der Reifen wird zwar als Freeride-Reifen bezeichnet, aber in der harten Gummimischung rollt er sehr gut und im groben Gelände geben sie sich auch nicht so schnell geschlagen. Eine Problemzone haben wir aber nicht geändert, den Lenker FSA XC 281AOS mit einer Breite von 660 mm, für unseren Geschmack etwas zu schmal aber nicht wirklich tragisch. Hier würden wir zu einem breiteren Lenker raten, der dem Bike sehr gut tun würde.

Da das Merida ein abgestützter Eingelenker ist, empfiehlt es sich, für die Einstellung der hinteren Federung ein wenig mehr Zeit zu nehmen. Wenn der FOX RP23 Dämpfer nicht richtig eingestellt ist, wirkt es sich sehr nachteilig auf das Fahrverhalten aus - auch hier ein Rat von unserer Seite: Wer sich nicht so gut mit der Materie auskennt, sollte sich nicht scheuen, den Händler zu bitten, bei der Einstellung des Dämpfers behilflich zu sein. Nach den Änderungen ergab sich ein Gesamtgewicht von 14,6 kg des kompletten Bikes. Nachdem alle Änderungen und Einstellungen beendet waren, sah die Sache schon ganz anderes aus! Das Merida lief zur Hochform auf, der Funfaktor war jetzt bei 100% - es macht unheimlich viel Spaß durch den Wald zu heizen, jeder Druck auf die Pedale wird sofort umgesetzt, das Bike zieht sauber seine Spur... mehr mehr mehr! Man will einfach nur Gas geben, auf schmalen Trails fliegen die Bäume nur so vorbei - Wurzeln, Kanten und Sprünge werden förmlich gesucht. Kein Ausweichen, einfach draufhalten, der Blick geht nur nach vorne, so sollte es sein, ein Funenduro, so unsere Meinung.

Auch der Uphill gestaltet sich reibungslos, bei der FOX 36 Talas R mit 100-130-160mm Federweg einmal den Hebel umlegen und schon senkt sich die Gabel, noch eben den Dämpfer blockieren und schon geht es recht flott den Berg hoch. Wenn der Dämpfer gut eingestellt wurde, ist ein Blockieren des Dämpfers nicht unbedingt erforderlich. Der Hinterbau verhält sich sehr ruhig, ein Wippen ist so gut wie gar nicht vorhanden. Wo es hoch geht muss es auch wieder runter gehen, also eine kurze Verschnaufspause, die Gabel wieder auf den vollen Federweg einstellen, die Sattelstütze dank des großen Verstellbereichs absenken und dann rein in den Downhill - auch hier wieder Gas Gas Gas! Das Merida läuft sehr gut geradeaus, der Lenkwinkel von 67,5 Grad erweist sich als sehr gut für ein Enduro, die Gabel arbeitet zwar etwas straff, aber das geht noch voll in Ordnung. Die Magura Louise Bremse verrichtet ihre Arbeit wie gewohnt sehr gut. Jede Lenkbewegung oder Nachdruck von den Pedalen wird sofort ohne Beanstandung umgesetzt, man hat ständig eine sehr gute Kontrolle über das Rad. Auch zeigt sich wieder, wenn das Gewicht nicht zu hoch ist, dass ein leichter Zug am Lenker reicht und schon ist das Vorderrad in der Luft. Durch das stark abfallende Oberrohr ist auf dem Enduro viel Spielraum vorhanden.

Als sehr positiv erwiesen sich auch die Laufräder. Die Shimano XT Felgen und Naben stammen aus der Serie, anfängliche Befürchtungen, dass diese zu schmal und zu leicht sind und dadurch den Belastungen beim Enduroeinsatz nicht gewachsen sein könnten, erwiesen sich als falsch. Gerade in der Winterzeit wird das Material sehr stark beansprucht, die niedrigen Temperaturen, das Salz auf den Straßen, die schlammigen Trails, das alles wirkt schon sehr auf der Material. Hier gab es soweit keine Probleme, bis auf die Schaltung, die sehr darunter litt und nach jeder Ausfahrt etwas Pflege benötigte um nicht völlig im Dreck zu versagen. Achja, und was kostet das Merida One-Five-O 3800? Stolze 3299 Euro müssen für das Bike über die Ladetheke wandern, aber dafür bekommt man ein top ausgestattetes Bike. Für 2299 Euro bekommt man das preisgünstigere Merida One-Five-O 880-D.

Fazit:
Das Merida One-Five-O konnte anfangs nicht wirklich überzeugen, aber nach unseren Änderungen konnte das Merida One-Five-O dann doch sehr begeistern. Egal ob es längere Touren waren oder das Heizen über Trails, das Merida hat einfach nur Spaß gemacht. Und das ist das Entscheidende bei einem Bike - es muss Spaß machen, alles andere ergibt sich dann mit der Zeit!

Rahmengrößen: 15" (S) / 17" (M) / 19" (L) / 21" (XL)

Mehr Infos unter www.merida-bikes.com

Elton
(25.02.2009)