Scott Gambler FR10 - Lasst uns zocken! - Test www.fraktur-magazin.de
Tja, nun sitze ich hier vor dem PC und will euch meine Eindrücke über das Scott Gambler FR10 beschreiben. Leider ist das nicht so leicht, da das Bike vorab für eine Menge Verwirrung sorgte und uns zudem neue Einsichten des Machbaren bei solch einem Bike gibt.
Fangen wir aber erst mal mit den ersten Eindrücken an. Man fängt schon an zu staunen, wenn man das Bike aus dem Karton holt. Das Bike ist kein Leichtgewicht, laut Scott wiegt das Gambler etwa 19,75 kg, dazu kommt noch die brutal massive Bauweise - das Teil ist mal richtig fett, selbst die Rock Shox Totem IS wirkt an dem Rahmen eher zierlich. Die Farbgestaltung des kompletten Bikes ist sehr stimmig und gefällt. Es harmoniert alles zusammen, aber ein Bike soll ja nicht nur gut aussehen, sondern auch gut fahren. Wir hatten das Scott in der Rahmengröße S - meine erste Meinung: "Größe S - das ist bestimmt viel zu klein bei einer Körpergröße vom 186cm!". Allerdings gibt es das Scott Gambler auch nur in zwei Größen, nämlich S und M - dabei liegt der Unterschied nur in der Oberrohrlänge. Die Größe S hat ein 565 mm Oberrohr und die Größe M ein 600 mm Oberrohr, gemessen in der Horizontalen.
Bevor es zur ersten Ausfahrt geht, werden noch mal eben alle Schrauben überprüft, das Fahrwerk grob eingestellt und der Luftdruck in den Reifen kontrolliert. Der Lenkwinkel beträgt im Rahmen 66,0 Grad und durch die verstellbare Steuerrohrhülse kann man den Lenkwinkel auf FR +1 Grad und auf DH -1 Grad einstellen. Der Hinterbau kann auf drei verschiedende Federwege eingestellt werden: 190 mm, 210 mm und 230 mm, die aber keine Auswirkung auf die Geometrie haben. Die ersten Ausfahrten wurden mit folgender Einstellung gefahren: Lenkwinkel auf FR +1 Grad und der Hinterbau auf 190 mm Federweg. Beim Aufsitzen fühlt sich der Hinterbau recht straff an, was sich aber insgesamt auf der Hausstrecke als sehr wendig und direkt bemerkbar machte. Dadurch, dass der Rahmen extrem steif ist, wird jede Lenkbewegung und dergleichen sofort umgesetzt. Auf technischen Strecken läuft das Scott angenehm und ruhig. Es gibt aber noch weitere Einstellungen, also Werkzeug rausgeholt und das Fahrwerk geändert: Lenkwinkel auf DH -1 Grad und den Hinterbau auf 210 mm eingestellt.
In der jetzigen Einstellung fühlt sich der Hinterbau schon ganz anders an, für meinen Geschmack ist diese Einstellung mehr als ideal für das Bike. Auf der gleichen Strecke läuft das Bike viel ruhiger und der Hinterbau spricht viel feiner an. Sehr gut gefiel, dass jeder Druck auf das Pedal das Gambler sofort vorwärts trieb und nicht erstmal im Federweg versackte. Die Rock Shox Totem IS mit ihren 180mm Federweg konnte ebenfalls überzeugen. Sie ist zwar nur bei der Druck- und Zugstufe einstellbar, aber was soll so ein Bike mit einer Federwegverstellung bzw. Minimierung vorne auch schon anfangen? Dadurch, dass das Bike eine Teleskopsattelstütze hat, ist die Fahrt zum Spot ohne Probleme machbar. Auch ein leichter Uphill geht mit dem Bike, trotz des hohen Gewichts, welches sich bei der Fahrt aber nicht so anfühlt. Das Scott lässt sich wunderbar beschleunigen, auch wenn es nicht bergab geht. Der Hinterbau, ein abgestützter Eingelenker, arbeitet sehr feinfühlig und direkt. Weder ein direktes Verhärten beim Bremsen noch eine Pedalrückschlag war festzustellen.
Die ersten Zweifel, dass das Bike in der Größe S für mich zu klein sei, wurden nicht bestätigt. Es passt wunderbar! Ich hatte auf den Abfahrten ein sehr gutes Gefühl auf dem Bike, vielleicht ein zu gutes, den normalerweise drücke ich alle Sprünge, nach alter DH-Manier, immer weg. Mit dem Scott fand ich nach einer gewissen Zeit gefallen daran, beim Absprung am Lenker zu ziehen um etwas mehr Airtime zu haben. Es liegt auch wunderbar in der Luft - sehr ausgewogen. Ich gebe zu, dass ich nicht so ein Freund von Dirts und dergleichen bin, aber ich fühlte mich so gut auf dem Bike, dass ich öfters auch mal einen Ausflug zu unserem BMX ähnlichen Rundkurs machte und mich der Kunst des Fliegen widmete. Es ist schon sehr ungewohnt, dass ein solches BIG BIKE so klasse beschleunigt und es, trotz des hohen Gewichts, so wenig Nachdruck braucht beim Absprung - es ist fast wie eine verdrehte Welt. Man merkt sehr schnell, dass das Scott Gambler für das richtig Grobe gedacht ist. Alles was unter die Stollen kommt wird gnadenlos aufgesaugt. Kein Sprung und keine Kante kann für das Bike zu hoch sein...einfach genial das Bike! Auch wenn man sich völlig verausgabt hat, ein fettes Grinsen bleibt immer. Da man nun auch irgendwie vorwärts kommen muss, hat Scott folgende Komponenten verbaut.
Schalthebel und Schaltwerk SRAM X9, Kasette SRAM PG-980 11-34 Zähne, Kurbeln Truvative Holzfeller DH 1.1 mit 36 Zahn Kettenblatt, die Kette wird geführt durch einen E.thirteen Supercharger bashguard. Die Lenkzentrale besteht aus einem Lenker Scott Pilot FR 1,5 Pro D.B 38 mm Rise und 710 mm Breite, verschraubt an einem Truvative Holzfeller Vorbau mit 55 mm Länge. Das Laufrad vorne bestehend aus Felge Mavic EX 325 mit Nabe Scott Pro 20mm thru axle, das Laufrad hinten bestehend aus Felge Mavic EX 325 mit Nabe SUN Ringle Lawwill, die auch zur akustischen Unterstützung dient ;-) An unserem Rad waren Maxxis Highroller 26x2.50 in 60A aufgezogen. Wenn man mal bremsen musste, wurde dies über die Avid Code mit 203mm Scheiben vorne und hinten gemacht. Damit der Kontakt zum Boden stets gegeben war, unterstützte der Dämpfer Rock Shox Vivid 5.1 die Rock Shox Totem IS, welches ein sehr harmonisches Paar ist. Eine weitere schöne Sache ist, dass an allen Lagern der Anzugmoment der Schrauben aufgedruckt ist, um ein falschen Anziehen der Schrauben zu vermeiden. Durchdacht ist auch der Anschlag für die Sattelstütze, damit im Falle einer verpatzten Landung und beim Aufschlagen mit dem Allerwertesten auf dem Sattel nicht die Stütze bis zum Dämpfer durchschlägt.
Es gibt allerdings auch ein wenig Kritik zu dem Bike. Der Sattel Scott Gambler DJ passt zwar optisch sehr gut zum Bike, aber wenn man doch mal etwas länger zum Spot unterwegs ist, dann ist er doch etwas zu klein. Man rutscht nur darauf hin und her und er nimmt sehr schnell den Dreck auf, wodurch er nach einer gewissen Zeit nicht mehr wirklich schön aussieht. Nun zu dem etwas unschöneren Teil: Wer das Scott Gambler FR10 sein Eigen nennen möchte muss ca. 4300 Euro auf die Ladentheke legen. Das ist zwar ein Haufen Geld - keine Frage -, aber man bekommt ein sehr hochwertiges Bike mit einem sehr großen Einsatzgebiet, welches dazu noch eine riesen Menge Spaß macht!
Fazit:
Ein BIG BIKE for BIG THINGS! Und wenn ihr mal nicht fahren könnt, dann zählt doch mal die Schweißraupen an dem Bike!
Mehr Infos unter www.scott-sports.com
Elton
(02.07.2009)
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