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CANYON TORQUE 6.0 Playzone - Test
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1985 meldete Roman Arnold ein Gewerbe an und gründete die Radsport Arnold GmbH in Koblenz, nach kurzer Zeit wurde aus Radsport Arnold die Marke Canyon. Von da an nimmt die Geschichte seinen Lauf, die Marke Canyon wird immer größer, bekannter und die Räder immer besser. Canyon ist ein Direktvertrieb, was den Vorteil hat, dass alles einen direkten Weg geht und sich dadurch die Preise für die Bikes in Grenzen halten - und man hat einen direkten Ansprechpartner. Aber nun zum eigentlichen Thema, das Bike mit dem merkwürdigen Namen TORQUE.

Das Bike gibt es in 5 verschiedenen Ausstattungsvarianten, wir haben uns bewusst für das TORQUE 6.0 Playzone entschieden. Das 6.0 Playzone ist, so gesehen, das Einsteigerbike der TORQUE Serie, bietet vorne wie hinten 180 mm Federweg und das zu einem Preis von gerade mal 1899 Euro. Wenn man sich dazu mal die Liste der Anbauteile anschaut, kommt man schon ins Staunen. An der Front arbeitet eine Marzocchi 66 RCV und für den hinteren Federweg ist ein Fox DHX Air 5.0 zuständig. Um zum Stehen zu kommen ist eine Avid Elixir R mit 203 mm großen Scheiben vorne wie hinten verbaut. Schaltvorgänge werden über den SRAM X.7 Trigger an das SRAM X.9 Schaltwerk weitergegeben, dazu gesellt sich ein SLX Umwerfer sowie Truvativ Hussefelt Kurbeln mit zwei Kettenblättern und Bashguard. Damit das Bike auch noch rollt, kommt folgendes zum Einsatz: SUN Ringle Demon Naben in Verbindung mit Alex FR30 Felgen, darauf gesellen sich Maxxis Minion Reifen. Die Lenkzentrale kommt aus dem Hause Easton, dem Vorbau Easton Havoc DH 50 mm und dem Lenker Easton Vice mit 710 mm Breite. Die Sattelstütze kommt übrigens auch aus dem Hause Easton.

Auf der Webseite von CANYON wurde uns durch das "Perfect Positioning System", welches durch Angabe gewisser Körpermaßen die Rahmengröße ermittelt, die Rahmengröße M vorgeschlagen, die auf den Punkt genau passte! Wenn man sich das TORQUE mal genauer ansieht, stellt man sehr schnell fest, dass Canyon seine Bikes sehr durchdacht aufbaut. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist Wahnsinn, dazu ist der Rahmen mit sehr vielen schönen Details entwickelt worden. Angefangen damit, dass auf der unteren Hinterbaustrebe für eine bessere Leitungsverlegung von Formula Bremsen extra Halterungen angebracht worden sind und auf der Kettenseite in der oberen Strebe eine innere Zugverlegung ist - dazu findet sich eine extra Aussparung, damit die Kette mehr Platz hat. Man muss den sehr gut arbeitenden Hinterbau hervorheben, was die Jungs sich bei Canyon ausgedacht haben, ist gigantisch. Ein Viergelenker, der sehr fein anspricht und dazu so antriebsneutral ist, dass man selbst im Wiegetritt das Gefühl hat, man wäre auf einem Hardtail unterwegs. Kein Wippen, es wird einfach nur jede Kurbelumdrehung in Vortrieb umgesetzt.

Das CANYON TORQUE 6.0 Playzone wird in der Sparte Freerider eingeordnet, aber hier fängt, wie immer, das große Gesprächsthema an: Was ist ein Freerider? Wir sind der Meinung, dass Freeride ein sehr dehnbarer Bereich ist und man das nicht unbedingt auf eine bestimmte Art und Weise festlegen kann - jeder hat hier seine eigene Meinung und Interpretation, was das Freeriden betrifft. Nach einer schönen Runde haben wir mit mehreren Leuten zusammen gesessen, über das Thema Freeriden gefachsimpelt und am Ende ist herausgekommen, dass von 10 Leuten jeder seine eigene Meinung hat! Wenn es dann darum geht, welches Bike den nun ein Freerider ist, ging der Chaos wieder von vorne los. Der eine meint, dass ein Freerider mindestens 180 mm Federweg mit Stahlfederdämpfer und nur einem Kettenblatt vorne mit Kettenführung aufweisen muss, damit man so schnell wie nur möglich den Berg runterbrettern kann, hoch könnte man dann ruhig schieben. Andere meinen, der Federweg sei (fast) völlig egal, die Hauptsache ist, man kommt überall hoch und auch wieder runter. Also wieder 10 Leute mit verschiedenen Meinungen - ohne ein wirkliches Ergebnis zu bekommen.

Für uns sollte ein Freerider gut den Berg rauf kommen um dann mit viel Spaß und Reserven wieder runterzuheizen, allerdings sollte man damit auch mal eine längere Tour fahren können - nicht immer liegen die Traumtrails vor der Haustür! Ganz einfach gesagt: Man setzt sich morgens auf das Bike, fährt durch den Wald und über Wiesen, erklimmt Höhenzüge, zwischendurch mal wieder ein paar Runden über die BMX-Bahn oder die Dirtline, danach weiter zum Bikepark, um sich dort ein paar Stunden beim Downhill den fiesesten Wurzeln und Kanten hinzugeben. Das sollte für uns ein Freerider können und das ist für uns Freeride! Einfach alles damit machen können und Spaß zu haben. Nun aber wieder zurück zum CANYON TORQUE.

Eigentlich ist das Bike vom Aufbau her schon perfekt. Man braucht das Fahrwerk nur auf sich abzustimmen und kann direkt loslegen. Wir haben aber eine Änderung vorgenommen, nämlich die Reifen gewechselt. Nichts gegen die Minion, aber sie laufen bei der Tour doch zu zäh, da der Rollwiderstand etwas zu hoch ist. Getauscht wurden sie gegen die Michelin AT Reifen, die etwas leichter sind und besser rollen. Der Michelin ist zwar ein All Mountain Reifen, aber er konnte in der Vergangenheit immer wieder überzeugen. Nachdem die Reifen gewechselt wurden und Pedalen montiert waren, ging es erstmal auf die Waage. Diese zeigte uns genau 16,7 kg an, ein Gewicht, womit man sehr gut leben kann - auch wenn es bekanntlich immer noch bedeutend leichter geht. Noch etwas zum Fahrwerk: Das Canyon hat einen SAG Monitor an dem Umlenkhebel - darüber lässt sich sehr schön der einzustellende SAG ablesen und bietet zudem die Möglichkeit, den genutzten Federweg nach der Abfahrt abzulesen.

Die Tourentauglichkeit ist erstaunlich. Trotz des massigen Federwegs fährt es sich leichtfüßig wie ein AM, wenn es beim Uphill sehr steil wird muss nur etwas Druck auf die Front gegeben werden, so stellen auch steile Rampen kein Problem dar. Das Wohlfühlverhalten kann man schon direkt nach dem ersten Draufsitzen auf das Bike als sehr gut bezeichnen. Jumps, absolut kein Problem, das Canyon lässt sich gut manövrieren und in der Luft dirigieren. Der gute Antritt und das Beschleunigungsverhalten fördern natürlich die Spielfreude. Bei Abfahrten bleibt auch bei höherem Tempo das Canyon gut beherrschbar, ruppige Pisten meistert das Canyon sehr gut, vermittelt aber kein schwammiges Sofa-Gefühl, sondern übergibt immer ein Feedback des Untergrunds an den Fahrer, aber im positiven Bereich. Man merkt, womit man es zu tun hat und kann dementsprechend als Fahrer agieren. Der SAG ist natürlich Geschmackssache, aber wir denken, dass um die 35 % schon das Optimum sind. Man hat bei aller Spielfreude nicht das Gefühl, dass man zu wenig Reserven hätte. Die Anlenkung ist sehr durchdacht und gut umgesetzt.

Das Canyon mit dem Größe M Rahmen und dem relativ lang erscheinenden Oberrohr erweist sich beim Fahren als angenehm handlich - würde man so nicht vermuten. Der Schein trügt, so wie beim Lenker. Er wirkt schmal, mit einer Breite von 710 mm ist er es aber nicht wirklich - passt aber ganz hervorragend zum Bike und dem guten Fahreindruck. Die Marzocchi - da muss man kein Wort verlieren - die arbeitet ebenso gut wie der Hinterbau - auch hier stimmt die Kombo. Doch wir haben Negatives gesucht und sind fündig geworden! Da wären die schönen weißen Griffe, die passen zwar optisch sehr gut zum Bike und fühlen sich sehr gut an, nur leider sind sie nach einiger Zeit optisch nicht mehr wirklich ansprechend und sehen aus, als kämen sie aus einem Raucherhaushalt. Dann wäre da noch die Sache mit der Sattelstütze, eine hydraulische Stütze würde dem Bike sehr gut stehen, denn erst mit einer schnell absenkbaren Sattelstütze kann man ohne Zwangspause auf der Abfahrt richtig Gas geben. Da wäre natürlich die Sache mit dem Preis, bei dem, was die Sattelstützen zur Zeit (noch) kosten.

Dann kommt die größte Kritik, und auch hier sind wir uns im Team einig: Das Bike macht so viel Spaß, dass man sehr schnell die Zeit vergisst und das kann wirklich sehr schnell zu Stress in der Beziehung führen. Denen von Canyon scheint das aber wohl egal zu sein, vielleicht sind das ja auch alles Singles....

Fazit:
Das CANYON TORQUE 6.0 Playzone konnte absolut überzeugen, sowohl von der Ausstattung als auch von den Fahreigenschaften und das zu einem sehr guten Preis! Von unserer Seite gibt es hier 100% Kaufempfehlung. Der große Einsatzbereich ist nicht nur für Könner ein großes Plus, sondern auch für den Einsteiger in die Big-Bike Liga.

Mehr Infos unter www.canyon.com

Elton
(07.05.2010)