www.fraktur-magazin.de - FRAKTUR - Das Magazin - Spots, Trails und Rock'n'Roll

Mondraker Durham - Wenn ein Freerider nicht mehr reicht! Test
www.fraktur-magazin.de

Das Mondraker Durham stammt aus Spanien und ist in unseren Breitengraden eher selten anzutreffen. Man kann wirklich behaupten, dass es sich hier um einen Exoten handelt, der das Fahrerlager in zwei Gruppen spalten dürfte: Diejenigen die es lieben und die Anderen, die es hassen - dazwischen wird es nichts geben! Warum das so ist, wird sich im Laufe des Berichtes klären, denn das Durham gehört schon zu einer ganz speziellen Klasse von Bike.

Mondraker führt das Durham in der Sparte Extremfreerider - nicht Freerider, was schon mal zu Denkanstößen führt. Zugleich wird aber auch die Frage in den Raum geworfen, was denn nun schon wieder ein Extremfreerider bzw. der Unterschied zwischen einem Freerider und einem Extremfreerider ist?! Das Thema Freerider wird wohl nie richtig geklärt werden und die Definition bleibt am Ende jedem selber überlassen. Bei Mondraker ist der Unterschied schon auf dem Papier zu sehen, denn ein 65 Grad Lenkwinkel, der auch noch verändert werden kann, trifft man eher bei einem DH-Bike an. Zudem ist das Bike sehr tief gebaut, das Federbein Fox DHX RC2 liegt sehr tief und mittig im Rahmen, dazu gesellt sich das sehr kurze Steuerrohr mit gigantischen Ausmaßen. Bis auf das Sattelstützenrohr gibt es kein Rohr, was nicht der Hydropresse zum Opfer fiel. Der Rahmen ist sehr schön geworden und macht optisch mächtig was her.

Zu der gelungenen Optik gesellen sich die innenverlegten Züge, was der aufgeräumten Optik sehr zu Gute kommt. Das gesamte Bild des Durham kann man als gelungen und stimmig bewerten, es wurde farblich alles aufeinander abgestimmt. Nun zu den Anbauteilen des Bikes. Geschaltet wird mit SRAM X9, die Verzögerung übernimmt die Formula Oro K18 mit einer 200 mm Scheibe vorne und einer 180 mm Scheibe hinten. Der Lenker, der Vorbau, die Sattelstütze und der Laufradsatz kommen aus dem Hause OnOff, den Bodenkontakt halten Mondraker/Intense ITS in 26x2,35 und die Kraftübertragung übernimmt Truvativ Hussefelt. An der Front arbeitet die Rock Shox Totem und das Hinterbau Federungssystem bezeichnet Mondraker als ZERO Suspension System, welches zum VPP System gehört.

So, genug der Theorie und ab auf die Piste - und genau hier beginnt es, wo das Bike seine Liebhaber und seine Hasser findet. Die erste Ausfahrt auf unserer Home-DH Strecke war erschreckend! Es fühlte sich alles sehr ungewohnt an, auch der montierte schmale Lenker fiel sehr negativ auf. Es ist ja so, dass man sich auf einem neuen Bike erstmal vorsichtig rantastet und nicht direkt in die Vollen geht. Meist bekommt man dabei schon einen sehr guten Eindruck was geht und was nicht geht. Dadurch, dass das Durham von seiner Bauart sehr tief ist, passierte auf der ersten Abfahrt auch noch der eine oder andere böse Aufsetzer mit den Pedalen, was den merkwürdigen Fahreindruck noch mal förderte.

Nachdem der Lenker gegen einen bedeutend breiteren Lenker getauscht wurde (720 mm anstatt 680 mm), fühlte sich das Bike schon bedeutend besser an. Zwar war die Lenkzentrale immer noch recht tief, aber das störte jetzt eher weniger. Nachdem man nun wusste, dass das Trettlager sehr tief ist, konnte man sich bei den folgenden Abfahrten darauf einstellen. Es gibt eine Regel für den Einsatz des Durham: Es muss schnell gefahren werden! Erst dann zeigt das Bike sein ganzes Potenzial und es fühlt sich an wie ein ganz anderes Bike. Man sitzt mitten im Bike und man hat das Gefühl, das Bike fährt nicht auf der Strecke sondern in der Strecke. Man kann das Bike auch sehr gut mit einem Öltanker vergleichen: Beim Losfahren ist es etwas träge, wenn es dann aber Geschwindigkeit drauf hat, liegt es sehr satt und ruhig auf der Strecke. Enge verwinkelte Ecken sind allerdings nicht so sein Ding.

Leider braucht das Durham auch fast so lange wie ein Öltanker, um zum Stehen zu kommen. Die Formula Oro K18 ist keine schlechte Bremse, aber sie kann dem Durham nicht gerecht werden. Das Bike ist einfach eine Nummer zu schnell, bei Vollgas muss man schon voll in die Bremse langen. Der 65 Grad Lenkwinkel verleiht dem Bike eine sehr hohe Laufruhe, das allerdings aber erst bei hoher Geschwindigkeit. Wenn es langsamer und technischer wird, fühlt sich das Mondraker kippelig an. Bei Sprüngen und Drops verhält sich das Bike sehr ruhig und neutral - es ist weder front- noch hecklastig. Auf ruppigen Stücken hat man stets die Kontrolle über das Bike. Zwar muss das Bike stets mit etwas Nachdruck durch die Kurven gefahren werden, aber ansonsten geht es nach dem Motto: Gas auf und Finger von der Bremse!

Das Durham bevorzugt eher die Variante bergab, berghoch ist nicht sein Ding. Erschwert wird das Hochfahren auch durch den Einsatz von nur einem Kettenblatt mit 38 Zähnen. Es ist zwar möglich, den Weg nach oben zur Abfahrt zu erklimmen, aber das kostet ordentlich Körner. Komplett bringt das Mondraker Durham 17,8 Kilogramm auf die Waage - ein durchaus angebrachtes Gewicht für einen Freerider mit starken Genen im Bereich Downhill. Sehr schade für ein Bike dieser Klasse finden wir, dass der Lack nicht so widerstandsfähig ist. Auf der Kettenseite leidet der Rahmen unter starkem Lackverlust durch das Anschlagen der Kette. Eventuell würde ein Überkleben oder Schoner Abhilfe schaffen.

Auf jeden Fall wurde die Frage geklärt, warum es unter der Sparte Extremfreerider läuft. Das Thema Freerider ist ja sehr umstritten und viele Bikes bezeichnen sich als Freerider - was auch gar nicht angezweifelt wird. Es kommt immer noch darauf an, was man mit dem Bike anstellen möchte. Es gibt die eher tourentauglichen Freerider und dann die Freerider, denen mehr Downhillambitionen eingehaucht wurden. Das Mondraker Durham geht noch einen Schritt weiter und man könnte es auch als Downhillfreerider bezeichnen. Ein Bike für Leute, die sich gerne im Bikepark austoben wollen, aber auch mal bei einem Downhillrennen richtig Gas geben wollen. Wer nun meint, dass das Mondraker Durham was für ihn wäre, muss 3590 Euro auf den Tisch legen und darf dann das Bike sein Eigen nennen.

Fazit:
Freerider mit einem starken Drang zum Downhill und für Biker, die etwas Außergewöhnliches suchen!

Mehr Infos bei Shock Therapy unter www.shock-therapy.com

Elton
(18.08.2010)